Hinweis: Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert. Für Anliegen und Informationen können Sie micht gerne Kontaktieren:



Info: Questo sito non viene più attualizzato. Nel caso di richieste o domande potete contattarmi:

Sein und Schein der Wahlkämpfer

Mai 29th, 2009 | By Redaktion | Category: SEPP BLOG

„Sinistra e libertà”, so heißt die Liste auf der wir Grüne in Italien gemeinsam mit vier sozialistischen bzw. sozialdemokratischen Parteien uns um eine Vertretung im Europäischen Parlament bemühen. Vielen ist bekannt, dass ich für dieses Wahlbündnis lieber die Bezeichnung „Alleanza ecosociale” gehabt hätte.

Ich tu mich zunehmend schwerer, Politiker einfach mit links- oder rechtsgerichtet zu katalogisieren bzw. jemand aufgrund seiner Sitzordnung im Parlament ideologisch festzunageln. Lieber ist mir da - wenn schon - eine Zuordnung in demokratisch, wenig demokratisch oder gar undemokratisch/autoritär, beziehungsweise in liberal-marktwirtschaftlich-kapitalistisch einerseits und in sozial, sozialdemokratisch, sozialistisch bis hin zu kommunistisch andererseits. Wie ungerecht und schwierig es im Grunde ist, jemand in eine rechte oder linke Schublade zu stecken, das wird klar, wenn sich jemand beispielsweise für Bürgerrechte, Transparenz, Demokratie, Chancengerechtigkeit, Solidarität und ökologisches Wirtschaften einsetzt. Auch Tradition und Fortschritt lassen sich nicht einfach links oder rechts einordnen.

Wenn man die Partei- oder Wahlprogramme anschaut, dann könnte man fast alle KandidatInnen wählen. In den vergangenen Tagen habe ich bei verschiedenen Interviews immer wieder mithören müssen, wie Kollegen Kandidaten politische Forderungen aufstellen, die diametral in Widerspruch stehen zu dem, was sie bisher getan bzw. vertreten haben. Man kennt ja manche Pappenheimer im Laufe der Jahre recht gut. Wenn da einer behauptet, er sei gegen das „Abgezocke” durch die Politiker und dabei so tut, als ob alle einzuschließen seien außer er selbst, so kann ich nur die Nase rümpfen. Es ist wohl so, dass viele die eigenen Untugenden bei den anderen am meisten kritisieren und bekämpfen.

Ich werde auch oft sehr misstrauisch, wenn ich von manch einem höre, dass er sehr ehrlich sei oder dass er besonderen Wert auf Umwelt und Soziales lege. - Es gilt wohl wie in der Erziehung: man erzieht nicht durch Worte, sondern nur durch das eigene Verhalten und noch mehr durch das Sein.

Da die WählerInnen oft enttäuscht wurden, gibt es viele, die allen Politikern gegenüber misstrauisch sind. Kann man ihnen das übel nehmen?

Tags: , ,