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DESERTEC |Die Fortsetzung des Wachstumswahns mit anderen Mitteln?

Jul 13th, 2009 | By Redaktion | Category: SEPP BLOG

Beim Abschied in Ulm sagte ein Herr zu mir noch schnell: „Ich würde gerne öfter etwas von Ihnen lesen.“ Es war einer meiner Blog-Leser, den ich heute zufällig zwischen München und Ulm im Zug kennen lernen durfte, ein Physiker an der Uni Ulm. – Ich trage mich zwar eher mit dem Gedanken, mit dem Bloggen aufzuhören, denn die Sicht der Dinge eines Ex-Parlamentariers und Rentners (seit dem 1. Juli bin ich in Pension) sind wohl relativ belanglos.

Na ja, heute bin ich wieder länger im Zug und da gehört es auch fast schon zu meiner Gewohnheit, dass ich dabei sinniere und schreibe. Heute kreist in meinem Kopf vor allem das Multimilliardenprojekt „Desertec“. Alle Medien berichten in diesen Tagen davon. Rund ein Dutzend Großunternehmen treffen sich nämlich heute in München, um das bisher größte und ehrgeizigste Projekt zur Erzeugung alternativer Energie auf den Weg zu bringen. In der nordafrikanischen Wüste soll nämlich eine riesengroße Anlage zur Gewinnung von Solar- und Windenergie errichtet werden. Mehrere hundert miteinander vernetzte Sonnenkraftwerke sind geplant. Über verlustarme Leitungen und Verteilersysteme, sozusagen über „Stromautobahnen“, soll dann später viel elektrische Energie nach Europa transportiert werden.

Vor rund zwanzig Jahren las ich in einem Büchlein über die „Herausforderungen der Zukunft“, dass umweltfreundliche Lösungen der  Energieversorgung die vordringlichste Aufgabe der Politik seien. Der Autor, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, forderte vordringlich die Errichtung von großen Solaranlagen in der Sahara, über welche entweder Wasserstoff oder elektrischer Strom erzeugt werden sollte. Auch Jeremy Rifkin hat ähnliche Vorschläge vor einigen Jahren im Europäischen Parlament gemacht.

Es besteht kein Zweifel, dass solche und ähnliche Projekte für Natur und Umwelt weitaus besser sind als die großen Staudämme beispielsweise in der Türkei oder in China oder der Ausbau von Kohlekraftwerken oder als all das, was die Atomlobby so werbewirksam als klimafreundlich anpreist. Ich bekomme allerdings immer Zweifel und fast schon Angst, wenn solche Mammutprojekte mit unheimlichem Summen an Geldern, meist mit Steuergeldern, angegangen werden. Die Grenzen des Wachstums, wie sie vor bald 40 Jahren schon vom Club of Rome erkannt wurden, werden mit solchen Initiativen wohl nicht berücksichtigt. Es ist ja auch nicht so, dass diese Energieanlagen von den Projektbetreibern als Alternative zu schlechteren Lösungen geplant werden. Siemens will z.B. auch in Zukunft Atommeiler bauen, RWE will weiterhin Kohlekraftwerke betreiben und E.on will die Laufzeit seiner Kernkraftwerke verlängern.

Brauchen wir für unseren Wohlstand und unser Wohlbefinden wirklich so viel und immer mehr Energie? Wo sind die Zukunftsforscher, die endlich einmal jene Energie unter die Lupe nehmen, die rundum verschleudert wird, bzw. jene, mit welcher mehr zerstört als aufgebaut wird? Wieso wird nicht gründlich untersucht, dass eine sinnvolle Wirtschaft auch mit viel weniger Energie auskäme. Denken wir z.B. nur an die vielen sinnlosen Transporte gleicher und ähnlicher Waren quer durch Europa.