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Fortschritt?

Jul 20th, 2009 | By Redaktion | Category: SEPP BLOG

Vorgestern war ich in Corvara bei einer Benefizveranstaltung zugunsten der im Exil lebenden tibetanischen Kinderflüchtlinge. Vor dieser Abendveranstaltung spazierte ich durch das Nobel-Hotel-Dorf Corvara in Alta Badia und sah rundum nur Wohlstand, ja Luxus und viele gelangweilte Gesichter einer Überflussgesellschaft. Ich dachte mir, dass es vielleicht noch in Dubai rund um das Burj-al-Arab-Hotel herum eine Steigerung dieser Luxus-Industrie geben könnte. Ich war zwar noch nie in Dubai. Was ich aber aus Berichten kenne, ist dieser Ort wie kein anderer ein Inbegriff der Maßlosigkeit.

Wohltuend empfand ich, dass dann bei der Benefizveranstaltung selbst einer der reichen Hoteliers überzeugend Werbung gemacht hat für mehr Solidarität und Gerechtigkeit. Das tat er vor vielen Leuten, deren Blick sonst wohl kaum einmal auf wirklich Arme, Ausgegrenzte und Entrechtete gelenkt wird.

Gestern, am Tag danach, erlebte ich am Nonsberg im Trentino einen Tourismus, der in viel bescheidener Form zurechtkommen muss. Ich war nämlich bei einer Veranstaltung von Linksparteien und ökologischen Vereinigungen des Trentino, die am gestrigen Sonntag zur Mittagszeit in einer Hütte stattfand. Diese Baracke, genannt „Il Malghetto“, verwaltet vom Tourismusverein von Tassullo, würde in Corvara bestenfalls als Schafstall verwendet. In dieser armseligen Hütte eine Gruppe im Gespräch mit Fachleuten der Frage nach, wie am Berg nachhaltig und langfristig gewirtschaftet werden kann und soll.

„Il Malghetto‘“ liegt oberhalb von riesigen Apfel-Monokulturen, wo die „Melinda“ produziert wird. Am meisten beeindruckt hat mich eine PowerPointPräsentation von Sergio, der für den „Comitato per il Diritto alla salute in Val di Non“ über das Ausmaß und die Auswirkungen des Chemieeinsatzes bei der Apfelproduktion am Nonsberg berichtet hat. - Wer Italienisch versteht, der/dem empfehle ich unter http://nonpesticidi.jimdo.com/ nachzuschauen.

Staunenswert finde ich, dass viele Bürgermeister des Nonsberges aufgrund des Druckes von Umweltgruppen strenge Gemeindeverordnungen erlassen haben, um gegen das viele Gift in den Monokulturen anzukämpfen. Trotz der vielen Verordnungen werden die Böden, das Wasser und die Luft vergiftet und somit die Gesundheit der Bevölkerung ernsthaft gefährdet.

Nur im Trentino?

In Südtirol hat der Bauernbund eine viel größere Macht als im Trentino. Ich befürchte, dass bei uns der „Fortschritt“ in der Landwirtschaft gleich wie im Gastgewerbe viel weiter ist als bei unseren Nachbarn. Wir sind schon fort-geschritten, weg von der Natur, weg von einer heilen Welt. Wir trösten uns damit, dass die Felsen einiger Dolomitenberge als Weltnaturerbe anerkannt worden sind und dass wir damit ein wirksames Marketing-Mittel haben. Ist es ein Betäubungsmittel?

Wir sind immer die Besten.

Na ja…