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Wirtschaft und Ethik

Okt 8th, 2009 | By Sepp | Category: Aus den Medien / Scrivono di noi, Economia / Wirtschaft, SEPP BLOG, SEPP direkt / Sepp ti scrive

Nach einem dreijährigen Prozess wurden gestern in Agrigent auf Sizilien der Vorsitzende der Hilfsorganisation Cap Anamur und der Kapitän des gleichnamigen Schiffes freigesprochen. Diese Hilfsorganisation hat im Juni 2004 im Mittelmeer 37 afrikanische Flüchtlinge aus Seenot gerettet und nach Rücksprache mit der sizilianischen Polizei und sogar mit dem Innenministerium an Land gebracht. Der Kapitän des Schiffes und die Erstverantwortlichen wurden aber in unwürdiger Weise sofort verhaftet und wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor Gericht gestellt. Endlich sind sie gestern freigesprochen worden. Das hat mich ähnlich gefreut wie die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes, dass die Immunität Berlusconi dem Gleichheitsprinzip widerspreche und somit verfassungswidrig sei. Bisher hatte ich so oft große Zweifel, ob das wirklich stimme, was in den Gerichtssälen zu lesen ist: „La legge è uguale per tutti.“  (Das Gesetz ist für alle gleich.)

 

Heute war ich wegen dieser beiden Gerichtsurteile noch fast in Jubelstimmung.  Auf der Fahrt im Zug von Bozen nach Brixen wurde ich ernüchtert. Neben mir saß  ein Herr, der den „Sole 24 ore“ las. Der Titel auf der ersten Seite verwies auf das Immunitätsgesetzt, auf den sogenannten „Lodo Alfano“, der von den Höchstrichtern als nicht verfassungskonform erklärt wurde. Da ich mir sicher war, dass dieser Herr das Gerichtsurteil auch begrüßen würde, fing ich sofort zu quatschen an. Doch weit gefehlt. Ich traf einen Herrn, der Berlusconi, den tüchtigsten Unternehmer, verteidigte und meinte, dass der Präsident immer nur in Ausnutzung der gesetzlichen Möglichkeiten gehandelt hätte. Und wenn er auch in der Lage gewesen war, Gesetze zu seinen Gunsten durchzuboxen, so beweise das eben seine Tüchtigkeit, genau so, wie wenn er so viele Medien in seiner Hand habe. Die Gesetze des freien Marktes seien die einzig sinnvollen. Die Tüchtigen hätten halt Erfolg. Das müsse man anerkennen. Wirtschaftsethik, na ja, Schnee von gestern…  So äußerte sich sinngemäß  der Herr neben mir.

 

Wir sprachen fürwahr andere Sprachen. Der Herr neben mir verstand meine Argumente nicht und ich verstand seine Logik nicht. Immer noch nicht. Ich will auch gar kein Verständnis für diese neoliberale Marktlogik aufbringen. Sie hat dorthin geführt, wo wir sind.