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Zwischen fix und prekär Bediensteten

Okt 24th, 2009 | By Sepp | Category: Deutsch, Economia / Wirtschaft, Grundeinkommen / reddito di base, PRESSE / STAMPA, SEPP BLOG, SEPP direkt / Sepp ti scrive

(22.10.2009) In dieser Woche genieße ich mit meiner Frau die Thermalbäder von Abano. So bin ich mit meinem Kopf wieder einmal etwas weniger in Südtirol und dafür etwas mehr in Italien, wo die Medien in diesen Tagen voll sind vom Pro und Contra zu den Fixbediensteten, eine Diskussion, die Wirtschaftsminister Giulio Tremonti bei einem Treffen mit Gewerkschaftsvertretern losgetreten hat.

 

Gestern habe ich mehrere italienische Tageszeitungen durchgeblättert. Überall wird darauf geschworen, dass es schnellstens wieder einen Wachstumsschub brauche. Dann würde es vor allem in Italien, das mit seinen vielen Klein- und Kleinstbetrieben sehr konkurrenzfähig und flexibel sei, wieder aufwärts gehen.

 

Auf meinem Spaziergang durch den Mittwochsmarkt von Abano aber stellte ich fest, dass Unmengen von Billigstangeboten, die im Grunde kaum gebraucht würden, angepriesen werden. Und die Leute kaufen weiterhin munter ein, auch wenn sie vielfach schon mehr haben, als sie brauchen, und vielfach wahrscheinlich auch knapp bei Kasse sind, wie man aus dem Gejammere rundherum entnehmen muss.

 

Die auf Lebenszeit im öffentlichen Dienst fix Beschäftigten seien jetzt in dieser Krise nicht mehr zeitgemäß. Die Wirtschaft brauche maximale Flexibilität. So der Refrain auf der Unternehmerseite. Natürlich reden all diese Herrschaften nicht davon, dass immer mehr Menschen, vor allem junge, mit irregulären und miserabel bezahlten Arbeiten vorlieb nehmen müssen. Nicht nur die Arbeitsverhältnisse sind „prekär“, auch die reale Situation von immer mehr ArbeiterInnen. Und noch mehr jene der Arbeitslosen! 

 

Ich frage mich oft: Bin ich so entrückt oder gar verrückt in meinen Ansichten, wenn ich dieses Konsumdenken grundsätzlich in Frage stelle, ein Denken, wo Überflüssiges gekauft und weggeworfen werden muss, um eine ständig wachsende Wirtschaft in Schwung zu halten? Mir scheint der Zwang zum Festhalten an diesem Wirtschaftssystems gleich irrsinnig wie der Wettlauf eines Hamsters in seinem Rad.

 

Es mag sein, dass jene Menschen eine aussterbende Rasse sind, die ihr ganzes Berufsleben lang, sozusagen lebenslänglich, beim gleichen Arbeitgeber arbeiten und nicht gekündigt werden dürfen. Die Alternative kann jedoch auch nicht sein, dass Menschen als Arbeitskraft von anderen Menschen ohne Regeln beliebig ausgebeutet werden dürfen.

 

Das Hauptproblem ist aber wohl, dass ohnehin mehr produziert wird, als wir brauchen, und bei uns vielfach auch viel mehr konsumiert wird, als uns gut tut. Die alte Forderung nach Lohnarbeit für alle Arbeitsfähigen ist aufgrund der gewaltig gesteigerten Produktivität einfach nicht mehr vertretbar. Wie können Politiker, besonders in Italien, auch noch eine Anhebung des Pensionsalters fordern, wenn ohnehin nur 64 % der Erwerbsfähigen zwischen dem 25. und 29. Lebensjahr einer bezahlten Arbeit nachgehen?

 

Ein garantiertes Grundeinkommen für alle und die Anerkennung der vielen Arbeitsleistungen, die nicht mit Löhnen abgegolten werden, erscheint mir immer mehr als der vernünftigste Ausweg.