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Fliegen um jeden Preis

Nov 3rd, 2009 | By Sepp | Category: Demokratie, Deutsch, SEPP BLOG, SEPP direkt / Sepp ti scrive, Tour, Umwelt/Ambiente

Krampfhafte Wiederbelebung der Missgeburt „Airport Bozen-Dolomiti“!

 

149.262 SüdtirolerInnen (38,2 % der Wahlberechtigten) haben sich am 25. Oktober am Referendum beteiligt, trotz massiver Abwehr durch Landesregierung, Handelskammer und Wirtschaftsverbände. 113.674 Personen (81 % der Abstimmenden) haben der Frage, ob der Flugverkehr in Bozen vermindert werden soll, zugestimmt. Das war ein klares Nein gegen jede Art von Subventionierung des jämmerlichen Flugbetriebes von Bozen.  

 

Da das bindende Quorum von 40 % knapp verfehlt wurde, muss die Landesregierung sich nicht an das Ergebnis des Referendums halten. Sie tut es auch nicht. Im Gegenteil! Sofort nach dem Auszähluen der Stimmen entschied sie, den Flughafen in Bozen auszubauen, und zwar mit ca. 9 Millionen Euro. Zudem sollen neue Fluglinien nach Wien und Frankfurt eingerichtet werden. Damit diese attraktiv würden, sollen die Flüge auf diesen Strecken kräftig mit Steuergeldern subventioniert werden.

 

Verkehrslandesrat Thomas Widmann versprach am 27. Oktober im Sender Bozen Flugtickets von 199 Euro  nach Wien und Frankfurt, Rückflug inbegriffen, und behauptete dabei, dass die EU die Subventionen von Regionalflügen vorschreibe. Diese Behauptung ist frei erfunden. Wahr ist, dass die EU auf Druck der Lobbyisten die Unterstützung von Regionalflughäfen zwar erlaubt hat, aber nie und nimmer vorschreibt. Es ist doch heller Wahnsinn, wenn Fliegen billiger wäre als Bahnfahren. Ein Bahnticket von Bozen nach Frankfurt und zurück kostet heute 240,80 €!

 

Die Handelskammer Bozen verschickte kurz vor der Volksabstimmung eine Broschüre mit dem Titel: „Airport Bozen-Dolomiti – Unverzichtbar und nutzbar für uns alle!“ In diesem Werbeheft wurden alle Register gezogen. Frappierend ist das Argument, dass dieser Flughafen eine „Chance für den Qualitätstourismus“ sei. Untermauert wird dies mit einer Grafik, aus welcher hervorgeht, dass die Gäste, die mit dem Flugzeug nach Italien kommen, viel mehr konsumieren als andere Touristen. So gebe ein Gast aus China pro Tag 200 € aus, einer aus Tunesien 175 €, einer aus Japan 170, einer aus den USA 145 € und einer aus Russland 140 €. Allerdings jene, die mit dem Flugzeug von Deutschland nach Italien fliegen, knausern. Sie geben laut dieser Statistik weniger als 75 € aus.

 

Das infamste Argument in dieser Werbebroschüre der Handelskammer ist folgendes: „Geringe Umweltbelastung, enorme Bedeutung für Südtirol.“ Die Handelskammer belehrt die SüdtirolerInnen mit zwei lapidaren Sätzen: „Die Passagierflüge am Flughafen Bozen stellen keine Gefahr für die Umwelt dar. Im Vergleich zu den Emissionen der Fahrzeuge auf der Autobahn und der Heizanlagen in den Gebäuden ist der von den Flugzeugen verantwortete Schadstoffausstoß unbedeutend.“ Es braucht schon sehr viel Mut, so dummes Zeug zu verkaufen. Jedes Kind weiß, dass der Energieverbrauch und der Ausstoß von CO? sowie von anderen Schadstoffen, verursacht von rund 40.000 PKWs und 7.000 LKWs täglich auf der Brennerautobahn nicht verglichen werden dürfen mit den wenigen Dornier 328-100 und Dash 8-314, die in Bozen starten und landen.

 

Die Umweltbelastung ist anders zu berechnen. Wie viel Energie braucht ein Mensch auf unterschiedlichen motorisierten Vehikeln? Es gibt Berechnungen genug, die beweisen, dass der Flugverkehr am meisten Energie verbraucht und die größte Umweltbelastung darstellt. Vor allem kleine Flugzeuge auf kürzeren Strecken verschleudern unheimlich viel Energie, pro Person und km mindestens sechsmal so viel wie ein moderner Mittelklasse-PKW pro km.

 

Laut letzter Mitteilung des Landesinstitutes für Statistik (astat-info Oktober 2009, S. 5) hat im Jahr 2007 der Flughafen Bozen 122.000 Liter Aviobenzin verbraucht. Wie kommt die Handelskammer dazu, uns vorzumachen, wie umweltfreundlich doch das Fliegen sei?  

 

Die Hauptkritik an Durnwalder und Widmann ist, dass sie trotz gegenteiliger Beschlüsse des Landtages den Flugverkehr massiv mit Steuergeldern unterstützen. Ein Abflug von Bozen und eine Landung in Bozen sind bisher jeweils mit ca. 150 Euro subventioniert worden. Dieser Betrag ergibt sich, wenn sämtliche Landesmittel, die in den vergangenen Jahren den Flugbetrieb geflossen sind, durch die Gesamtzahl der Fahrgäste dividiert werden. Die zentrale Frage bleibt: Wie kommen die Steuerzahler dazu, jene zu subventionieren, die unbedingt fliegen wollen?  

 

Alternativen zum Flughafen

 

Würden die Probleme des Klimawandels und der weltweiten Energieversorgung ernst genommen, so müsste in erster Linie der Flugverkehr gedrosselt werden.  Anzufangen ist bei den Regionalflughäfen. Wer weiterhin fliegen will bzw. glaubt fliegen zu müssen, der soll zumindest alle Kosten selbst bezahlen, auch die Kosten der Gesundheits- und Umweltbelastungen. Das Fliegen muss viel teurer werden. Kostenwahrheit, keine Steuerbegünstigungen, keine Subventionen!

 

Südtirol hätte durch eine bessere Anbindung mittels Eisenbahn zu den Flughäfen von Verona, Innsbruck und München eine durchaus zumutbares „Tor zur Welt“, welches unsere Wirtschaftskapitäne immer wieder fordern.