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Europa

Nov 4th, 2009 | By Sepp | Category: Aus den Medien / Scrivono di noi, Europa, PRESSE / STAMPA, SEPP BLOG, SEPP direkt / Sepp ti scrive, Sepp Mix

 

EU – „E pur si muove!”

 

Es ist zwar keine kopernikanische Wende, jedoch, in Brüssel atmen alle auf, dass Václav Klaus, der sture Präsident der Tschechischen Republik, gestern endlich den so genannten Lissabon-Vertrag unterschrieben hat. Bei der Unterzeichnung soll er bemerkt haben, dass damit die Souveränität seines Staates nun leider zu Ende sei. Der Antieuropäer Klaus glaubt wohl, dass die Tschechische Republik allein überlebensfähig wäre. Meines Erachtens ist genau dieser Nationalismus neben der Übermacht des Großkapitals die Hauptursache, dass aus den vielen europäischen Kleinstaaten keine wirkliche politische Union entsteht. Mit dem Lissabon-Vertrag, der am 1. Dezember in Kraft treten wird, kommt die EU einen entscheidenden Schritt weiter. Sie wird sicher effizienter und hoffentlich auch demokratischer. Jedenfalls bekommt das gewählte Parlament mehr Gewicht.

Sollte nun auch Jean-Claude Juncker von Luxembourg der erste Ratspräsident mit den Regeln des neuen Vertrages werden, wie ich mir wünsche, dann bin ich zuversichtlich, dass wieder mehr Europäer sich mit der EU identifizieren können.  

 

Das Kruzifix in der Schule

 

Das am vergangenen Dienstag gefällte Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, mit welchem die Kruzifixe in den Klassenzimmern Italiens verboten werden sollen, hat in ganz Italien und auch in Südtirol sehr viel Staub aufgewirbelt. Politiker, vor allem die Rechten, übertreffen sich in  Empörungen und Schein-Heiligkeiten.

Ein sachlicher Umgang mit diesem Thema ist nicht einfach. Grundsätzlich befürworten zwar die Allermeisten eine strenge Trennung von Kirche und Staat und eben einen laizistischen Staat. Seit dem Konkordat mit dem Vatikan von 1984 haben alle Religionen in diesem Land rechtlich die gleiche Wertung. In diesem Sinne finde ich das EU-Urteil kohärent, auch weil wir immer mehr eine Gesellschaft der Vielfalt sind, in welcher verschiedene Weltanschauungen, auch im religiösen Sinne, aufeinander stoßen. Trotzdem sollte meines Erachtens das Kruzifix als christliches Symbol in den Schulklassen hängen bleiben.  Gleichzeitig ist aber auch eine viel größere Toleranz anderen Religionen gegenüber einzufordern.

Das Christentum soll in erster Linie an den Taten der Christen im Alltag gemessen werden, nicht an äußeren Zeichen. Diejenigen, die jetzt am lautesten nach den Kruzifixen schreien, sollten gleich eifrig ihre christliche Solidarität den Ärmsten aller Armen, den Ausländern gegenüber, zu erkennen geben. Siehe Matthäus 25, 40!

 

Gar manche Nationalisten werden dieses Urteil wohl wieder als Argument für ihre Skepsis gegenüber der EU verwenden, auch wenn der Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eine Institution des Europarates und nicht der EU ist.

 

Nachtrag zu „Blinde Eliten“

 

Wer glaubt, es brauche ständig Wachstum, oder gar, dass schnelles Wachstum positiv zu sehen sei, dem empfehle ich die Lektüre eines Artikels über Las Vegas in der SPIEGEL-Ausgabe vom 26.10.09, S. 88 ff. In dieser „Stadt der Exzesse“ sind die Fehlentwicklungen des Raubtierkapitalismus besonders drastisch.