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Aus dem Reisetagebuch – in 10.000 km Entfernung

Nov 26th, 2009 | By Sepp | Category: BBT, Demokratie, Deutsch, Economia / Wirtschaft, SEPP BLOG, Soziales / politiche sociali, Verkehrspolitik / politiche dei trasporti

 

 

Gut kann ich mich noch erinnern. Angewidert war ich von der Scheinheiligkeit des George W. Bush, als er 2003 mit anderen Komplizen auf einem Foto im Cabinet Room gezeigt wurde, wie er mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen den Segen Gottes erfleht hat für die Bombardements auf die wehrlosen und bevölkerungsreichen Städte in Mesopotamien und in Afghanistan.

Ähnlich angewidert bin ich jetzt von der Scheinheiligkeit Berlusconis, Durnwalders und der Senatorin Helga Thaler Außerhofer, die das Kreuz in den Schulklassen in Italien sooo verteidigen, aber in ihrer Politik die elementarsten Forderungen des gekreuzigten Jesus von Nazareth missachten.

 

Dieser Gedanke kam mir in Riobamba südlich von Quito in Ecuador am späten Abend des 16. November bei der Lektüre des Buches von Jean Ziegler: „Das Imperium der Schande – Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung“.

 

Die Kriminalisierung der Ausländer gehört zur Strategie des „Weltkrieges gegen den Terrorismus“. Es passt genau zusammen mit den Interessen des Raubtierkapitalismus. So können die Vertreter der Großkonzerne ihre Interessen z.B. als Waffen- und Pharma-Produzenten viel besser durchsetzen.   

 

Die Nachricht über eine Aussage von Fabris, des Sonderkommissars der italienischen Regierung für die Eisenbahn-Großprojekte, erreichte mich in Succumbíos, in einer der ärmsten Gegenden Ecuadors am Rande des Urwaldes am Oberlauf der Zuflüsse des Amazonas. Im Internet las ich nämlich, dass der BBT mitsamt den Zulaufstrecken nicht finanzierbar sei.  

Meine Reaktion: es geht doch nicht um die Finanzierbarkeit, auch nicht um die Machbarkeit, sondern zuerst um Sinnhaftigkeit und Verantwortbarkeit. Angesichts der Not in der so genannten Dritten Welt sind solche Megaprojekte zur Steigerung sinnlosen Verkehrs schlichtweg unverantwortbar.

 

In Quito vermerkte ich in meinem Reisetagebuch am Sonntag, 22. November, in der Früh folgendes, wieder angeregt von der Lektüre von Jean Ziegler:

 

Jean-Paul Marat schrieb vor 210 Jahren in seinen Textes choises: „Die öffentliche Meinung gründet auf Ignoranz, und die Ignoranz fördert äußerst stark den Despotismus.“ Statt des Ausdruckes Despotismus können wir heute die Weltmacht der „Kosmokraten“ im neoliberalen Turbokapitalismus einsetzen. Dieser ist äußerst despotisch und undemokratisch.

Das einzige Gegenmittel laut Jean Ziegler (Imperium der Macht, S. 312) ist „Informieren, die Praktiken der Herrscher transparent machen“. Denn „die Vampire fürchten das Tageslicht wie die Pest.“

Jean Ziegler hat in seinen Büchern sehr viel ans Tageslicht gebracht. Es ist erschütternd, wie transnationale Konzerne ein weltumspannendes Imperium der Schande aufgerichtet haben, das letztlich auf dem Hunger und auf der Verschuldung der Entrechteten basiert.

Nachdem die Medien (direkt oder indirekt fast alle!) in der Hand der wirtschaftlich Mächtigen sind und auch die Einflussreichen auf regionaler Ebene meist Helfeshelfer der ausbeutenden Kosmokraten sind, ist jeder von uns, der sich informieren kann und sich (noch) frei äußern darf, verpflichtet, für die Aufdeckung von Missständen und somit für die Veränderung der Welt zu kämpfen. Sonst werden wir mitschuldig im Sinne der selbstverschuldeten Unmündigkeit von Immanuel Kant.

 

Nach meinem Besuch in Ecuador sehe ich noch klarer:

Ich verdanke das Allermeiste meiner Geburt. Fast nichts ist mein eigenes Verdienst.

Warum bin ich in Europa geboren? als Weißer? immer ausreichend ernährt? mit so vielen Bildungsmöglichkeiten? ausgestattet mit Rechten? Warum darf ich frei und relativ autonom leben? Warum bin ich vor Folter geschützt? usw.
Dass ich das tun kann, was ich tu, und dass ich mehr oder weniger auch so leben darf, wie ich leben will, ist ein großes Geschenk. Man kann es auch Gnade nennen.