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Aneinander vorbeigeredet!

Nov 28th, 2009 | By Sepp | Category: BBT, Deutsch, Economia / Wirtschaft, Europa, SEPP BLOG, Verkehrspolitik / politiche dei trasporti

 

 

So klar habe ich es kaum einmal erlebt.

Der Landtag des Trentino hat gestern zu einer Informationstagung über das Thema Brenner-Basistunnel und südliche Zulaufstrecken eingeladen.

„Linea ad alta capacità/velocità Brennero - Verona“, so der Titel der Veranstaltung. Am Podium saßen der Präsident der Italienischen Staatsbahnen sowie der für die Investitionen des RFI (Rete Ferroviaria Italiana) zuständige Direktor und der uns gut bekannte Ing. Ezio Facchin von der BBT-SE. Diese Herren durften ausführlich über das Großprojekt „Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn Berlin – Palermo“ mit dem „Herzstück BBT“ referieren und haben es mit Begeisterung getan.

Universitätsassistent Lothar Gamper, der für den Umweltanwalt von Tirol gearbeitet hatte, Giorgio Rigo von den Umweltschützern des Trentino und ich, wir bekamen nach den langen Einführungsreferaten jeweils eine Viertelstunde Zeit, um unsere Bedenken gegen diese geplante Baumaßnahme vorzubringen.  

Es war so, wie wenn Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften miteinander reden, oder besser gesagt, aneinander vorbeireden.

Auf der einen Seite waren jene, die die richtige orthodoxe Religion vertraten und somit klarerweise auch viel mehr Zeit zur Verfügung gestellt bekamen. Es waren jene, die an ewiges Wachstum glauben und die Erlösung aller Probleme durch Großprojekte verkünden.

Der Trentiner Landtag mit seinem Präsidenten Giovanni Kessler ist aber doch so tolerant und laizistisch, dass er nicht nur die Staatsreligion zu Wort kommen ließ. So durften auch wir als Sektierer das Wort ergreifen, wir, die glauben, dass die Ressourcen dieser Welt begrenzt seien und dass aufgrund der Krisen (Klimawandel, Energieknappheit, Umweltprobleme, soziale Ungerechtigkeiten, Überproduktion, Finanzkrise…) ein Umdenken dringend notwendig sei.

 

Gestern wurde ordentlich aneinander vorbeigeredet. Wir Sektierer interessierten uns nicht um die zum x-ten Mal vorgetragenen alten Zahlen und die wunderschön an die Wand projektierten Wachstumskurven. Und die Rechtsgläubigen wussten bereits, dass wir damit nicht einverstanden sind. Trotzdem waren sie freundlich und taten sie so, als ob sie uns zugehört hätten.

 

Die Veranstaltung war als Conferenza di informazione ausgeschrieben. Es waren aber fast nur bereits gut Informierte dabei. Bekehrt wurde gestern wohl niemand, weder die Fortschrittsgläubigen noch die Fortschrittsskeptiker.

 

Es war eine richtige Männerversammlung. Tiefenpsychologisch verständlich, denn zwischen dem Brenner und der Südgrenze von Trient soll die neue Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn durchgehend fast nur in Tunnels verlaufen. Frauen haben wohl instinktiv viel größere Bedenken beim Durchbohren der Mutter Erde. Männer bohren gerne Löcher, je größer, desto lieber.

 

Nachtrag: Eine erfreuliche Nachricht aus Brüssel!
Siim Kallas aus Estland ist neuer EU-Kommissar für Transporte und Verkehr. Ich hoffe, dass dieser vor allem dort die Verkehrsverbindungen verbessern wird, wo der Bedarf am größten ist, nämlich zwischen den alten und den neuen EU-Mitgliedsstaaten. Der bisherige Kommissar Antonio Tajani hat sich in den letzten Jahren massiv für den BBT eingesetzt. Am Brenner, wo bereits überdurchschnittlich viel Verkehr zusammengezogen und angesogen wird, muss endlich der nicht notwendige Verkehr gedrosselt werden. Es braucht keine sündteure neue Verkehrsachse.