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Bahnsinnige Verkehrspolitik

Dez 18th, 2009 | By Sepp | Category: BBT, Leitartikel/ in primo piano, SEPP BLOG, Verkehrspolitik / politiche dei trasporti

 

 

(18.12.09) Das Chaos bei der Umstellung auf den Winterfahrplan der Eisenbahn wurde vom zuständigen Landesrat Thomas Widmann schon angekündigt und ist auch eingetroffen. Er weiß Bescheid über das Schlamassel.

 

Bei jeder Fahrplanänderung kam es zu Schwierigkeiten, heuer besonders. Das Chaos bei der Beschaffung der Fahrkarten hat zugenommen. Internationale Verbindungen auf der Brenner-Strecke wurden in den letzten Jahren immer mehr gestutzt, obwohl auf dieser Strecke ein sündteures Großprojekt für eine neue Hochgeschwindigkeitsbahn mit dem BBT immer noch als unverzichtbar gepriesen wird. Seit Inkrafttreten des Winterfahrplanes am 14. Dezember gibt es keine direkte Verbindung mehr nach Rom. Im Gegenzug subventioniert die Landesregierung massiv die Flüge von Bozen nach Rom und nächstens, wie angekündigt, auch nach Wien und  Frankfurt.

 

Nach dem Zufußgehen und Fahrradfahren ist das Reisen mit der Bahn insgesamt ökologisch gesehen die beste Form der Fortbewegung. In einer Zeit, in der Klimakatastrophe zu befürchten ist und die Energie knapper wird, müsste daher der Bahn eindeutige Vorfahrt vor dem Auto und dem Flugzeug eingeräumt werden. Würden bei den Transportmitteln alle Kosten, auch jene für Umwelt und Gesundheit, ehrlich berechnet, wäre die Bahn ohnehin das preisgünstigste Verkehrsmittel.

 

Unsere Politiker, die selber kaum mit dem Zug fahren, fragen nicht: Was braucht der Fahrgast? Ein Blick in die Schweiz, in das Musterland einer vernünftigen Verkehrspolitik, würde genügen, um zu wissen, was zu tun wäre.
Die Bahnhöfe sind dort einladend und die Züge sauber und pünktlich. Die Informationssysteme sind flächendeckend und so einfach, dass jeder Bürger schnell zurechtkommt. Die Fahrkarten für alle öffentlichen Verkehrsmittel bis hin zu den Seilbahnen sind vereinheitlicht und überall leicht erhältlich. Rund die Hälfte der Schweizer besitzen Jahresabonnements. Die Bahnangestellten tragen keine Uniformen. Schon von der Kleidung her sind sie als Servicepersonal für den Fahrgast erkenntlich und nicht als Polizisten. Die Fahrpläne sind seit Dezember 2004 so gut aufeinander so abgestimmt, dass die meisten Schweizer auch für größere Entfernungen nur die Abfahrtszeiten und die Fahrdauer berücksichtigen, nicht die Wartezeiten, weil diese beim Umsteigen in der Regel nur fünf bis zehn Minuten betragen. Die Möglichkeit der Gepäcksaufbewahrung ist an allen Bahnhöfen selbstverständlich, ebenso ein schneller und verlässlicher Versand von Gepäcksstücken.

 

In Italien ist es wohl so, wie ein leitender Bahnbeamter aus Rom mir gegenüber einmal ironisch bemerkt hat: „Die Schweiz liegt mitten in Europa. Italien mit seiner Trenitalia ist aber in Europa noch nicht angekommen.“ Es ist zum Weinen. Tränitalia!