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Heimat

Jan 8th, 2010 | By Sepp | Category: Kultur, SEPP BLOG, Sepp Mix

(08.01.10)

Gestern war ich bei einer Veranstaltung der Villanderer Schützen über den „Freiheitskampf und die Folterungen der 60er Jahre“. Vieles, was dabei die drei Zeitzeugen uns erzählt haben, war erschütternd und auch durchaus stimmig.

Schon als Jugendlicher habe ich mich über die Sprengstoffanschläge von 1961 und über deren Folgen gerne und gründlich informiert. Ich habe großen Respekt vor vielen, die mit Idealismus sich gewehrt haben, auch wenn sie teilweise instrumentalisiert wurden und heute immer noch instrumentalisiert werden.

Es hat mich gefreut, dass gestern die drei Zeitzeugen in ihren Berichten zunächst sehr wohl unterschieden haben zwischen „den“ Italienern und jenen Schergen des italienischen Staates, die mit brutaler Gewalt und mit grausamen Folterungen rechtswidrig und menschenverachtend gehandelt haben.

Der Grundtenor, vor allem bei den Wortmeldungen im Anschluss an die drei Referate, war dann aber sehr rassistisch und antiitalienisch. Die Assimilierung der Südtiroler durch die Italiener bzw. das Verschwinden des Deutschtums in Südtirol wurde als Angstgespenst an die Wand gemalt. Es wurde so richtig Angst und Hass geschürt. Gegenargumente und Hinweise, dass laut Statistik der Anteil der Deutsch- und Ladinischsprachigen in Südtirol seit 40 Jahren deutlich zugenommen hat und dass die Zahl der Italiener sinke, oder dass die deutsche Sprachgruppe als die größte in Europa sicher nicht Gefahr laufe,  assimiliert zu werden, solche Argumente wurden kaum zur Kenntnis genommen bzw. als lächerlich abgetan.

 

Laut psychologischem Grundwissen macht Angst dumm und asozial und Hass macht blind. Wer Ängste und Hass schürt, verursacht Unfrieden und gefährdet das Heimatrecht vieler.

Ich frage mich oft: Wieso sind asoziale und rassistische Kräfte immer wieder imstande, in der öffentlichen Meinung den Begriff Heimat für sich so zu besetzen, als ob sie die Retter und Schützer der Heimat wären, obwohl bekannt ist, dass Rassisten und Nationalisten überall auf der Welt die Kriege verursachen und somit die Heimat vieler zerstören?

Ich rufe die Schützen auf, doch die Heimat dadurch zu schützen, indem sie mit konkreten solidarischen Taten Heimat für all jene schaffen, die hier leben. Durch das Ziehen von neuen Grenzen wird ausgegrenzt und neues Unrecht erzeugt. Und: Unrecht gefährdet immer den Frieden.

Leider wird selten gründlich darüber nachgedacht:
Wie entsteht Heimat (ein Ort, wo man sich wohlfühlt)?
Wem gehört diese Heimat? Nur den Gleichgesinnten?