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Die neue Religion

Mrz 2nd, 2010 | By Sepp | Category: Economia / Wirtschaft, SEPP BLOG, Umwelt/Ambiente, Verkehrspolitik / politiche dei trasporti

(02.03.10) Die neoliberale Marktwirtschaft hat Wachstum und Technik zur Religion erhoben. Das habe ich gestern bei einer öffentlichen Live-Fernseh-Diskussion in der RAI, Sender  Bozen, wieder erlebt. Unsere Wirtschaftsvertreter verlangen: Die Autobahn muss ausgebaut werden, der mit Steuergeldern subventionierte Mini-Flughafen von Bozen ebenso, der BBT ist und bleibt ein Dogma… Es muss alles unternommen werden, damit mehr Geld in unser Land fließe.

 

Auf der späten Heimfahrt nach dieser Diskussion las ich im Zug einen erschreckenden Artikel im „Publik-Forum“ über das Geschäft mit der Schönheit. Mehr als eine Million Frauen und Männer in Deutschland zahlen jährlich astronomische Summen für eine chirurgische Verschönerung ihres Körpers. Und präventiv wird immer mehr daran gebastelt, wie mit Gentechnik Designerbabys gemacht werden können. Wissenschaft und Wirtschaft machen uns klar, dass alles, was machbar ist, auch erlaubt sein müsse. Die Werbung macht mit unerreichbaren Idealen so lange Gehirnwäsche, bis fast alle glauben, dass Schönheit notwendig sei und dass man Vergänglichkeit, Älterwerden und Sterben ausblenden könne.  

 

Heute erfahre ich von einer Mitarbeiterin der Grünen im Europäischen Parlament, dass dort zur Zeit die Drähte heiß laufen, weil die Gentechnik-Lobbyisten unbedingt die Amflora-Kartoffel und drei weitere Maissorten mit antibiotischen Resizenz-Genen durchboxen wollen.

 

Fortschritt hat wohl mit Fortschreiten zu tun. Wo wir ankommen, wird beispielsweise sichtbar, wenn wir in diesen Tagen in den Medien erfahren, dass rund 600.000 Liter Schweröl sowie weitere krebserregende Substanzen in den Lambro (Nebenfluss des Po) geleitet worden sind. Diese umweltzerstörende Brühe hat die Poebene verseucht und alles, was die Zivilschutzbehörde und ein Heer von Umweltschützern nicht imstande waren aufzuhalten und abzusaugen, fließt nun in die Adria, auch wenn vor wenigen Tagen der unter Korruptionsverdacht stehende Zivilschutzminister noch behauptet hat, dass kein Tropfen in die Adria gelangen würde. Alle Welt redet davon, dass diese Katastrophe durch einen Sabotageakt ausgelöst wurde, weil kriminelle Spekulanten eine Grünzone bei Monza verhindern wollten.

 

Das Wirtschaftswachstum erhöht längst nicht mehr allgemeinen Wohlstand, sondern beschleunigt Massenarmut, Umweltkatastrophen, Artensterben und Sinnleere. Hauptursage ist eine Wirtschaftsreligion, die dem ökonomischen Wachstum alles unterordnet.

 

Es bräuchte eine ökologisch ausgerichtete Ökonomie, nicht nur verbal, und eine Politik des Lebens, die mit der Natur und nicht gegen sie wirtschaftet.