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Geschichte aufarbeiten!

Mrz 6th, 2010 | By Sepp | Category: Economia / Wirtschaft, SEPP BLOG

(05.03.10)  Gestern hat der Auswärtige Ausschuss des US-Kongresses eine Resolution angenommen, die von „Völkermord“ an Armeniern im Osmanischen Reich spricht. Nun herrscht in Ankara Alarmstimmung. Die Türkei zog ihren Botschafter aus Washington ab, der US-Vertreter in Ankara wurde ins türkische Außenamt zitiert.

Schon vor drei Jahren wollte der US-Kongress diese türkischen Massaker an rund 1,5 Millionen Armeniern nach 1915 offiziell als Genozid erklären. Barack Obama und Hillary Clinton befürworteten damals diese Erklärung. Dem Präsidenten George W. Bush gelang es aber, die Abstimmung im letzten Moment auszusetzen. Die US-Regierung wollte nämlich die strategischen Stützpunkte in der Türkei und die Mithilfe der Türken im Irak-Krieg nicht aufs Spiel setzen und fürchtete, Rüstungsaufträge zu verlieren. Jetzt wollte Präsident Obama auf Druck von Lobbyisten diese Resolution ebenso verhindern. Es gelang ihm nicht. - Die US-amerikanische Rüstungsindustrie fürchtet nun, dass die Türkei anderswo ihre Waffen einkaufen könnte. Der jährliche Rüstungskauf der Türken in den USA beläuft sich auf mehr als sieben Milliarden Dollar.

Objektiv betrachtet, ist es unverständlich, dass nach so vielen Jahren es immer noch unmöglich ist, geschichtliche Fakten aufzuarbeiten. Wenn ich aber daran denke, wie schwer sich viele Südtiroler tun, ihre jeweilige Rolle im Zweiten Weltkrieg, sei es auf der Seite der deutschen Nationalsozialisten als auch auf der Seite der italienischen Faschisten durchleuchten zu lassen, dann darf es nicht verwundern, dass die Türken sich weigern, einen der dunkelsten Flecken ihrer Geschichte zu untersuchen bzw. untersuchen zu lassen.

Außer Deutschland, das nach 1945 von den Siegermächten zur geschichtlichen Aufarbeitung der individuellen und kollektiven Schuld gezwungen wurde, kenne ich keine Nation, die mit einer solchen Gründlichkeit die Fehler der Väter und Großväter aufgearbeitet hat. Die meisten kennen ihre eigene Landesgeschichte fast nur als Sieger oder als Opfer. Die Täter blendet man sehr gerne aus.

Es ist sehr schwer, Schuld zuzugeben und aufzuarbeiten, obwohl es für den einzelnen und für eine Gesellschaft sehr heilsam wäre.