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Machbarkeitswahn und Größenwahn

Mrz 9th, 2010 | By Sepp | Category: Aus den Medien / Scrivono di noi, Economia / Wirtschaft, SEPP BLOG, Umwelt/Ambiente

(08.03.2010) Immer höher, immer schneller, immer mehr! Vom Turmbau zu Babel über unethische Banken-Boni bis zum 828 Meter hohen Burj Kalifa in Dubai liefert der Mensch immer wieder den Beweis, dass er aus Fehlern nichts oder kaum etwas lernt.

 

Der Club of Rome hat bereits vor 38 Jahren auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen. Diese mahnenden Wissenschaftler wurden und werden aber kaum ernst genommen.

 

In der gestrigen Ausgabe von „Terra“, einer ökologisch orientierten Tageszeitung, war eine doppelseitige Reportage über Japan. Die tüchtigen Japaner werden darin als traurige und „anti-ökologische“ Gesellschaft geschildert, wo Hektik und Stress den Lebensrhythmus vom Kindergarten bis zum Grabe bestimmen. Wie isoliert der auf Produktivität, Fortschritt und Wettbewerb ausgerichtete Japaner lebt, kann einer ironischen Bemerkung eines Studenten entnommen werden: „Ich habe fünf Familien, Vater, Mutter, Großmutter und zwei Schwestern.“ Als nationales Symbol gilt der Hochgeschwindigkeitszug, der als „Geschoss“ bezeichnet wird, 365 km/h fährt und jährlich 150 Millionen Menschen transportiert. Geschwindigkeit und Gewinnmaximierung seien in Japan oberstes Gebot. Dabei würden die Ressourcen schrankenlos verschleudert, die Meere leergefischt sowie Grund und Boden verbraucht, mehr als anderswo in der Welt. Höflichkeit und Lächeln würden von einer autoritären Hierarchie verlangt und würden nur durch Dressur erreicht. Der Artikel schlussfolgert: die Japaner seien eine sinnentleerte und unglückliche Gesellschaft mit einer sehr hohen Selbstmordrate! Dieser Artikel stimmt traurig und zeigt klar auf, wie eine „fortschrittliche“ Gesellschaft mit Hochgeschwindigkeit in eine Sackgasse steuert.

 

Heute hat die Südtiroler Landesregierung ihre Vertreter für die Präsidentschaft der Uni Bozen bekannt gegeben. Es sind vorwiegend wachstums- und technikgläubige Männer ernannt worden. Die Wissenschaft ist immer mehr in der Hand von Leuten, die unbegrenzte Freiheit der Forschung verlangen, z.B. bei der Spaltung des Atomkerns und bei der gentechnischen Manipulation der Zelle, und die sich nicht mitverantwortlich fühlen, wenn die Welt gleichzeitig immer mehr zerstört und die Würde des Menschen täglich tausendfach verletzt wird.

 

Im Wochenmagazin Focus der vergangenen Woche wird anhand von Statistiken der Zusammenhang zwischen Reichtum und Glück des Menschen darzustellen versucht. Der eindeutige Befund: In den so genannten Wohlstandsstaaten fühlen sich die Menschen überhaupt nicht am wohlsten.

 

Größenwahn macht sicher nicht glücklich, früher oder später aber wahnsinnig. Schon in der Genesis wird erzählt, dass die ersten Menschen, die in ihrer Hybris sein wollten wie Gott, ihre eigene Zukunft gänzlich verbaut haben.