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Prestigeprojekt BBT wackelt

Mrz 28th, 2010 | By Sepp | Category: Aus den Medien / Scrivono di noi, BBT, SEPP BLOG, Verkehrspolitik / politiche dei trasporti

 

Der Brenner-Basistunnel (BBT) wird vom Landeshauptmann Durnwalder mindestens zweimal pro Woche öffentlich erwähnt, als notwendig hingestellt und als bereits finanziertes Projekt herbeigeredet. Wäre er sich seiner Sache so sicher wie er tut, müsste er den BBT gar nicht so oft erwähnen. Die Medien in Südtirol berichten über den BBT so positiv und so unkritisch, dass die große Mehrheit der Bevölkerung ohnehin schon der Meinung ist, dass der Tunnel selbst bereits im Bau sei, nicht erst der Probestollen.

 

Heute las ich in den NEWS von ORF.at, dass der ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier den BBT offen in Frage stelle. Die großen Bahn-Tunnelprojekte der Bahn seien grundsätzlich in Zweifel zu ziehen. „Ich halte die derzeit gültigen Investitionsplanungen und Rahmenpläne für nicht finanzierbar, nicht leistbar und damit höchst problematisch“.  Ferdinand Meier redet dabei vom 11,5 Mrd. teuren Brenner-Basistunnel, eine Summe, die von den BBT-Befürwortern noch nie genannt worden ist. Auch stelle sich die Frage, so Maier, wer nach deren Fertigstellung die laufenden Betriebskosten zahlen werde. Ferdinand Maier führt als Gründe für seine kritische Haltung auch die „totale Ratlosigkeit“ bei der italienischen Bahn an und das Desinteresse der Deutschen Bahn.

 

Diese Meldung hat in Österreich in den letzten drei Tagen viel Staub aufgewirbelt. Auch aus dem Verkehrsministerium wurden Zweifel am Projekt laut. Susanne Enk, die Sprecherin der Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ), erklärte, dass bei den laufenden Sparüberlegungen kein Projekt ausgeklammert werde.

 

Bisher habe ich in den Südtiroler Medien weder gehört noch gelesen, dass das Prestigeprojekt BBT wackelt. Im Gegenteil, es kamen in den letzten Tagen wiederholt positive Nachrichten, so z.B., dass der BBT-SE-Vorstandsvorsitzende Ezio Facchin gekündigt habe, weil er seine Ziele erreicht hätte (der hatte aber sehr bescheidene Ziele!) und dass die Verwaltungsräte der Brenner-Autobahn A22 nun geschlossen für die Querfinanzierung des BBT wären, falls sie eine Führungs-Verlängerung für 50 Jahre (sic!)  bekämen. Ja, und von den Mauteinnahmen würden sie in 50 Jahren drei bis vier Milliarden Euro zugunsten des BBT und der Zulaufstrecken auf die hohe Kante legen. Kein Journalist rechnet nach, was die neue Hochgeschwindigkeits-Personen-Zug-Strecke bis nach Verona kosten würde, weil kein Mensch davon eine Ahnung haben kann. Es gibt ja noch nicht einmal Vorprojekte für die gesamte Strecke. Bei solchen Werbe-Nachrichten sind kritische Gegenfragen unerwünscht.

 

Ich bin gespannt, ob überhaupt und was die Südtiroler Medien in den nächsten Tagen bringen werden. Was macht wohl der Landeshauptmann Durnwalder, wenn sein Lieblingsprojekt BBT wie eine Seifenblase platzt?

 

Ich beruhige alle SüdtirolerInnen mit folgender Behauptung:

Ich bin sicher, dass keiner der derzeit lebenden Politiker so alt wird, dass er mit einem Hochgeschwindigkeitszug auf der neuen TEN-Strecke (mit BBT) von München bis Verona fahren kann. – Sollte jemand jetzt behaupten, es sei ja eine Güterbahn durch den BBT geplant, dann antworte ich: an diese Lüge glauben inzwischen bald alle.