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„Damit ihr Hoffnung habt“

Mai 16th, 2010 | By Sepp | Category: Grundeinkommen / reddito di base, SEPP BLOG

 

Würden sich alle Christen bemühen, christlich zu leben, dann gäbe es viel mehr Hoffnung auf dieser Erde. Das ist meine Schlussfolgerung nach meiner Teilnahme am 2. Ökumenischen Kirchentag in München.

Noch nie war ich bei einer Veranstaltung solchen Ausmaßes: mehr als 120.000 TeilnehmerInnen, vorbereitet und getragen von mehr als 900 Organisationen, Verbänden bzw. Institutionen! Es gab in den vier Tagen rund 3.000 Angebote: Vorträge, Diskussionen, Präsentationen, Gottesdienste, Besprechungsrunden, Konzerte, Theater usw. Rund hundert Hauptamtliche und Tausende von Ehrenamtlichen haben diese Veranstaltung vorbereitet und dafür gesorgt, dass alles gut geklappt hat. Es waren frohe, berührende und erkenntnisreiche Tage, die ich nicht missen möchte.

Die Seriosität, die Offenheit sowie die Breite und Tiefe bei der Behandlung vielfältigster Themen hat mich angenehm überrascht. Zwei Erfahrungen möchte ich besonders erwähnen.

Am Christi-Himmelfahrts-Tag hielten die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, MdB, und Prälat Stephan Dorgerloh aus der Lutherstadt Wittenberg auf einer Bühne am Marienplatz eine Dialogpredigt mit Bezug auf das Buch Genesis. Trotz Kälte und Regen hörten Hunderte von Leuten den langen und tiefschürfenden Ausführungen der beiden zu.

Am Samstag redete vor weit über tausend Menschen Katrin Göring-Eckardt, eine Grüne, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Präses (Vorsitzende) der Evangelischen Kirche Deutschlands, über „Globales Wachstum ohne Ende“. Worin besteht „gutes Leben“ gerade aus christlicher Sicht? Die Bewahrung der Schöpfung sei ein Wert an sich. Die Erderwärmung sei nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein Unrecht der Reichen gegenüber den Armen. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“ Das bewahrheite sich bei so vielen Unglücklichen, die im Reichtum fast ersticken, neben vielen Glücklichen, die in Bescheidenheit leben (müssen) und oft auch noch das Wenige, das sie haben, solidarisch teilen. Die anschließende harte, aber faire Diskussion zwischen Hans-Olaf Henkel, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, und Wolfgang Sachs vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie war für mich ein Hochgenuss. Mit marktwirtschaftlichen Argumenten plädierte Henkel für die Notwendigkeit ständigen Wachstums. Die ökosozialen Gegenargumente des Umweltfachmannes Sachs waren zumindest gleich triftig.

Meine Hauptgründe für die Teilnahme an diesem Kirchentag waren vor allem Fachvorträge und Diskussionen über das Grundeinkommen und meine Unterstützung für zwei Aufforstungsprojekte in Ecuador, also Themenbereiche, die einerseits mit Menschenwürde und sozialer Gerechtigkeit und andererseits mit umwelt- und klimapolitischer Kooperation mit der so genannten Dritten Welt zu tun haben. Besonders gefreut hat mich, dass ich dabei den evangelischen Bischof Zephania Kameeta und die Pastorin Claudia Haarmann aus Namibia sowie den Befreiungstheologen Bischof Victor Alejandro Coral aus Riobamba/Ecuador wieder getroffen habe. Das sind Menschen, die Hoffnung machen.

Ich bin überraschend vielen Bekannten begegnet, die ich von Brüssel her schon kannte. Auch habe ich neue interessante Menschen kennen lernen dürfen, Christen mit großem Engagement und hoher Motivation.

Gefreut hat mich, wie die deutschen Grünen den Ökumenischen Kirchentag genutzt haben, um mit Christinnen und Christen und ihren Organisationen ins Gespräch zu kommen. Christsein darf nicht nur jenen Politikern überlassen werden, die ein „C“ auf ihren Parteifahnen geschrieben haben. Grüne haben offen mitdiskutiert, welche Hoffnungen grüne Politik und Kirche verbinden und wo sich die Vorstellungen trennen. Auf einem Empfang am 12. Mai resümierte Renate Künast, frech auf das Motto des Kirchentages anspielend: „Grün ist die Hoffnung.“

Alles über den 2. Ökumenischen Kirchentag unter www.oekt.de