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Wachstumsfetischisten und Umweltzerstörer

Jun 12th, 2010 | By Sepp | Category: Economia / Wirtschaft, SEPP BLOG, Umwelt/Ambiente

So habe ich die Hintermänner und Befürworter des Skipistenplanes in einer Pressemitteilung bezeichnet, nachdem ich am Montag nach der Sitzung  der Landesregierung eine Erklärung des Landespresseamtes zu Gesicht bekam und verärgert las, mit welcher Unverfrorenheit und Verlogenheit unsere Landesregierung mehr oder weniger alle Projekte genehmigt hat, auch jene, die in landeseigenen Kommissionen von Fachleuten abgelehnt worden waren.

 

Jetzt am Ende der Woche steht fest, dass die Landesregierung diesen Beschluss wohl nie und nimmer revidieren wird. Viele VertreterInnen von Umweltorganisationen sind resigniert. Die Aufregung in den Medien über diese Entscheidung der Landesregierung ist inzwischen fast schon verschwunden, weil der Bestechungs-Skandal im landeseigenen Institut für geförderten Wohnbau das ganze Interesse auf sich gezogen hat.

 

Ich will aber zum geplanten Umweltskandal zurück und die getroffene Entscheidung bewusst moralisierend kommentieren.

 

Morgen feiern wir in allen Landesteilen Tirols das Herz-Jesu-Fest. Da werden wieder so viele Patrioten „Auf zum Schwur, Tirolerland!“ singen und dem Herzen Jesu sowie dem „Heiligen Land Tirol“ ewige Treue schwören.

 

Dauernd wird auf das Weltnaturerbe der Dolomiten (für die Tourismuswirtschaft ein werbewirksames Etikett!)  hingewiesen, gleichzeitig werden aber wunderschöne Landstriche gerade auch im Dolomitengebiet Stück für Stück zerstört, durch neue Skianlagen zum Beispiel in Sexten, am Rosengarten und am Kronplatz.

 

Damit aber weiterhin viele Touristen ins Land kommen, werden unheimlich viele Steuergelder direkt und indirekt ausgegeben. Zwei aktuelle Beispiele: Film- und Sportsponsoring!  Terence Hill streift derzeit als Förster Toni durch unsere Wälder für den Film „Un passo dal cielo“. Südtirol soll damit als Filmstandort vermarktet werden. Denn wir sind ja nur mehr einen Schritt vom (Geld)Himmel entfernt. Die Deutsche Fußballmannschaft und rund 200 Journalisten wurden in den vergangenen Wochen im Überetsch bestens betreut und bedient. Das sei nicht nur ein Anschub für den favorisierten Fußballweltmeister 2010, sondern auch gut investiertes Geld für Südtirol. So sagen unsere Politiker. Man braucht nicht nachzurechnen. Man weiß es.

 

Apropos Steuergelder! Ohne Subventionen würde wohl kaum einer der Skiliftbetreiber die neu genehmigten Lifte und Pisten bauen. Es gilt als „wirtschaftlich“, wenn alle zahlen und einige wenige profitieren. Gerade in Zeiten der Krise müsse man investieren. So sagen uns die Politiker. Sparen tut man anderswo. Volkswirtschaftliche Kostenrechnungen werden keine gemacht, höchstens durch die Handelskammer oder durch regierungsfreundliche Statistiker, denen das Resultat der jeweiligen Studie schon vorgegeben wird. – So hat auch einer der Experten, der eine der am Montag genehmigten Piste zu begutachten hatte, auf meine Frage, warum er diese Umweltzerstörung positiv bewerten konnte, unverhohlen geantwortet: „Ich will weiterhin Landesaufträge bekommen. Ich habe eine Familie zu ernähren.“

 

Eine sonst durchaus regierungsfreundliche Tageszeitung hat am 8. Juni 2010 über den von der Landesregierung genehmigten Skipistenplan berichtet und darüber den kritischen Titel gesetzt: „Die Natur verliert gegen die Wirtschaft“. Dr. Ing. Ernst Watschinger, langjähriger Leiter der Wildbachverbauung , hat als Insider in einem offenen Brief an den Landeshauptmann auf Zusammenhänge zwischen der Genehmigung des Projektes zum Bau der neuen Skianlagen in Sexten und der Skilobby unter der Führung des Speckkönigs Senfter hingewiesen und kam zum Schluss: „Die Natur verliert gegen die Vetternwirtschaft“.

 

Morgen werden all diese Herren in unseren Kirchen kräftig mitsingen:

Auf dem weiten Erdenrund

gibt es keinen schönern Bund.

Lästern uns die Feinde auch,

Treue ist Tiroler Brauch.

Drum geloben wir aufs neue:

Jesu Herz, dir ew´ge Treue!

 

Jesus müsste dieses Gesindel, deren Trinität mit Geld, Geiz und Gier umschrieben werden könnte, aus dem Tempel hinaus jagen.