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Joachim Gauck

Jun 13th, 2010 | By Sepp | Category: Demokratie, SEPP BLOG

Drei Journalistinnen und sieben Journalisten haben gemeinsam den Leitartikel in der Spiegel-Ausgabe der vergangenen Woche geschrieben. Dabei geht es um die zwei aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des deutschen Bundespräsidenten nach dem Rücktritt von Horst Köhler. Das Team der JournalistInnen gibt eindeutig Joachim Gauck den Vorzug vor dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Der Artikel ist parteiisch. Ich habe mich gerne beeinflussen lassen, nachdem ich von den beiden Kandidaten fast gleich wenig bzw. gleich viel wusste.  

 

Für die Sozialdemokraten und Grünen Deutschlands war es mehr als ein guter Geck, Gauck als Präsidentschaftskandidaten vorzuschlagen und somit den Kandidaten der schwarz-blauen Koalition zum Wanken zu bringen.

 

Der 70-jährige Joachim Gauck, evangelischer Pastor und Bürgerrechtler, ist meines Erachtens ein würdiger Kandidat. Vieles über ihn habe ich nach dem Spiegel-Artikel im Internet gelesen. Am besten gefallen hat mir die Argumentation bei seiner Berufswahl vor rund 50 Jahren in der DDR. Sein ursprünglicher Wunsch, Journalist zu werden, schied aus, als ihm klar wurde, dass im SED-Regime für seine ethischen Ansprüche von Freiheit und Gerechtigkeit kein Platz war. Die theologischen Fakultäten in der DDR boten ihm den größten Freiraum. Ihm waren schon damals „philosophischer Erkenntniszuwachs und Argumente gegen den obrigkeitlich verordneten Marixismus-Leninismus“ ein großes Anliegen.

 

So wurde Joachim Gauck als Pastor in Rostock führendes Mitglied des Neuen Forums und leistete an der friedlichen Revolution in der DDR einen wertvollen Beitrag. 1990 wurde er als Mitglied der frei gewählten Volkskammer Vorsitzender des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit. Nicht zufällig war er nach dem Vollzug der deutschen Einheit zehn Jahre lang der Erstverantwortliche jener Behörde, die den Stasi-Nachlass verwaltet und allen zugänglich gemacht hat. Dabei hat er sich einen guten Namen gemacht. Sein Amt bekam den Namen „Gauck-Behörde“. Heute noch ist er der Vorsitzende von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Er selbst nennt sich einen „Wanderprediger für Demokratie“.

 

Wird der „linke, liberale und konservative“ Joachim Gauck nun wirklich gegen den Willen von Merkel und Westerwelle deutscher Bundespräsident, dann ist das ein schönes Beispiel dafür, dass auch jemand, dem Anständigkeit, Treue und Glaube mehr bedeuten hat als Wohlstand, Karriere oder öffentlicher Erfolg, zum höchsten Amte der Bundesrepublik Deutschland berufen werden kann. Darüber würde ich mich sehr freuen.