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Das Ende der Geduld

Jul 21st, 2010 | By Sepp | Category: Aus den Medien / Scrivono di noi, Demokratie, SEPP BLOG

 

(20.07.10) Kommende Woche wird im Herder Verlag ein Buch mit dem Titel „Das Ende der Geduld“ von Kirsten Heisig erscheinen. Die Spiegel-Ausgabe dieser Woche bringt einen vier Seiten langen Auszug daraus, der unter die Haut geht. Die 48-jährigen Kirsten Heisig war eine der berühmtesten Jugendrichterinnen in Deutschland, die vor allem wegen ihrer konsequenten Vorgangsweise gegen die Jugendkriminalität in Berlin-Neukölln bekannt wurde. Vor drei Wochen wurde sie vermisst erklärt und wenige Tage später fand man sie erhängt in einem Berliner Waldstück.

 

Ich musste bei der Lektüre dieses Artikels an Alexander Langer denken, der fast auf den Tag genau 15 Jahr vor dieser Frau auch den Freitod gewählt hat. Er hinterließ einen Zettelmit dem Satz: „I derpack es nimmer.“ So ähnlich klingt auch der Auszug aus dem Testament, das diese Berliner Jugendrichterin geschrieben hat und das in Buchform erscheinen wird. Ihre Geduld war am Ende.

 

Kirsten Heisig vermittelt auf erschütternde Weise Einblicke in die Parallelgesellschaften des Berliner Stadtteils Neukölln, wo sie mit vielen noch ganz jungen „Intensivtätern“ zu tun hatte. Als Intensivtäter bezeichnet sie Personen, die innerhalb eines Jahres mindestens zehn erhebliche Delikte begangen haben. Gegenwärtig sind allein in Neukölln 214 solcher Krimineller registriert. Davon geben 45 % an, arabischer Herkunft zu sein, und 34 % haben türkische Wurzeln. Ein beachtlicher Teil von diesen Kindern und Jugendlichen hat die deutsche Staatsbürgerschaft, weil schon deren Eltern oder Großeltern nach Deutschland eingewandert sind, aber überhaupt nicht integriert wurden. Es klingt alles hoffnungslos, so wie Frau Heisig es beschreibt, eine Anklage gegen die Politik, die gänzlich versagt habe. Jugendämter, Sozialdienste, Polizei und Gerichte seien überfordert.  

 

Die Angst vor den Migranten-Clans sei einer der Hauptgründe für das zaghafte Vorgehen gegen die Kriminalität von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, schreibt Frau Heisig. Angst sei aber immer ein schlechter Ratgeber.

 

Ich befürchte, dass dieses Buch die Angst noch mehr schüren wird und dass es als Beweis all jenen dienen wird, welche die Ausländer ohnehin schon zu den Sündenböcken für alles abstempeln. Allerdings ist die Botschaft diese Jugendrichterin, deren Geduld am Ende war,  sehr ernst zu nehmen. Parallelgesellschaften haben immer großes Konfliktpotential in sich. Die Probleme sind kaum lösbar, weil die Ursachen, die zu parallelen Gesellschaftssystemen mit z.T. parallelen Rechts- und Wertesystemen führen, so schwer zu beheben sind.