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Litauen

Aug 23rd, 2010 | By Sepp | Category: Demokratie, Europa, SEPP BLOG

 

(17.08.2010) In dieser Woche bin ich auf Einladung meines Freundes Justas Paleckis in Litauen unterwegs. Den Sozialdemokraten Paleckis kenne ich als Kollegen im Europäischen Parlament. Gestern blieb ich bei meinem Rundgang durch Vilnius etwas länger in der St.-Kasimir-Kirche hängen. An dieser barocken Kirche kann die Geschichte des Landes der letzten 400 Jahre in beeindruckender Weise abgelesen werden.
1635 wurde der Bau der Kirche von den Jesuiten beendet.
1655 brannte sie beim Einmarsch der russischen Armee ab.
1773 wurden die Jesuiten aufgelöst; diese Kirche kam an die Augustiner.
1812 verwandelte die französische Armee das Gebäude in ein Getreidelager.
1839 haben die Russen es in eine orthodoxe Kirche umgebaut.
1915 machte die deutsche Armee aus ihr eine evangelische Garnisonskirche.
1917 wurde sie den Katholiken zurückgegeben.
1949 schlossen die Sowjets die Kirche und zerstörten die gesamte Innenausstattung.
1963 wurde das Gebäude in ein Museum des Atheismus umgewandelt.
1988 wurde es an die katholische Kirche zurückgegeben.
1991 wurde die Kirche nach einer gründlichen Restaurierung erneut konsekriert.
Seitdem arbeiten dort wieder die Jesuiten.

Litauen war ähnlich wie die beiden anderen baltischen Staaten in den letzten Jahrhunderten immer ein Spielball der Großmächte. Erst seit zwei Jahrzehnten genießt man hier die Eigenständigkeit und bemüht sich mit Erfolg. Die Wirtschaftskrise und neoliberale Kräfte haben diesen drei Staaten allerdings wieder viel Autonomie geraubt. Relativ wenigen Bürgern gelang es in diesem System, zu einem angemessenen Wohlstand zu kommen, während einige wenige sehr reich wurden. Dass der Großteil der Bevölkerung in Bescheidenheit leben muss, ist beispielsweise daran zu sehen, dass nur zwischen 1 und 2 % der Wohngebäude in den letzten zwei Jahrzehnten renoviert werden konnten. Beim heutigen Rundgang durch Kaunas wurde mir bewusst, dass eine breite Bevölkerungsschicht im Vergleich zu meiner Heimatregion Südtirol hier sehr bescheiden, ja in Armut leben muss.