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Thomas Mann in Nidden

Aug 23rd, 2010 | By Sepp | Category: Europa, Kultur, SEPP BLOG

 

(20.08.2010) Gestern fuhr ich mit Justas Palecki auf die Kurische Nehrung. Dieser fast 100 km lange Dünen-Streifen zwischen der Ostsee und dem Kurischen Haff war für mich als Älpler besonders beeindruckend. Nicht zufällig hat die UNESCO dieses Gebiet als Weltnaturerbe deklariert.

Wir hielten uns am längsten in Nida auf, im Hauptort auf der litauischen Seite der Kurischen Nehrung (auf Litauisch Neringa). Es liegt an der Grenze zum russischen Enklave mit der Hauptstadt Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, das nur 85 km entfernt liegt. Der russische Teil der Nehrung heißt Kuršskaja kosa.

Ich konnte mir nie richtig vorstellen, wie eine solche Sanddüne ausschaut und wie man dort leben kann.

Nida, die Deutschen nennen den Ort Nidden, wurde schon zweimal von der Düne verschluckt, d.h. zugesandet, und musste wieder neu begründet werden. Durch Bepflanzung mit Sträuchern und Bäumen, vorwiegend mit Kiefern und Birken, ist es gelungen, diese wandernde Düne zum Stehen zu bringen. Hier sah ich Latschen und Moos-Arten ähnlich wie auf der Villanderer Alm.

Erstmals habe ich hier von den Kuren erfahren, die der Düne und dem Haff den Namen gegeben haben. Deren Friedhof ist etwas Besonderes. Statt Kreuze stehen Grabtafeln, die meisten aus Holz, zu den Füßen der Verstorbenen. Diese Holzbretter haben die Form von abstrakten Blumen und häufig von Kröten, die von den Kuren in heidnischer Zeit als heilig verehrt wurden. Es ist ein rätselhafter und geheimnisvoller Platz neben einer neugotischen Kirche, deren neueste Geschichte auch eine besondere ist. Die Rote Armee hat den Ort 1944 besetzt und diese Kirche weitgehend zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde sie 1962 ein zweites Mal geplündert und von den sowjetisch-litauischen Behörden zu einem Museum umfunktioniert. Ab 1992 kann die evangelische Kirchengemeinde hier wieder Gottesdienste feiern.

Nida bzw. Nidden ist durch verschiedene Künstler bekannt, die von diesem Ort besonders angezogen wurden. Ein Beispiel ist Lovis Corinth, der 1893 das Bild „Fischerfriedhof in Nidden“ gemalt hat. Wohl jeder deutschsprachige Gast von Nida besucht auch das Thomas-Mann-Haus an der Nordeinfahrt des Ortes. Es ist ein relativ kleines Haus mit einem alten Strohdach und trägt den Namen „Rašytojo Tomo Mano memorialinis muziejus“. Dass die Litauer aus ihrem berühmten Gast Thomas Mann einen Tomo Mano gemacht haben, hat mich sehr verwundert. Ich ließ mir erklären, dass in der litauischen Sprache alle Namen anderssprachiger Orte und Personen angepasst würden. Da das Litauische z.B. keine Artikel und wenig Präpositionen kennt, werden die Endsilben der Worte stark gebeugt. Einen so flexiblen Sprachgebrauch bräuchten wir auch in Südtirol, dann gäbe es mit den Übersetzungen der Ortsnamen weniger Schwierigkeiten. J