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Naiv und populistisch

Sep 24th, 2010 | By Sepp | Category: Aus den Medien / Scrivono di noi, SEPP BLOG, SEPP direkt / Sepp ti scrive

Zum Thema Schilderstreit bzw. Schildbürgerstreit wollte ich nichts mehr schreiben. Es haben sich dazu  in diesem Sommer ja schon so viele geäußert. Auch ich selbst habe schon am 22. Juli einen Blog verfasst.

 

Der Landeshauptmann hat in diesen Tagen aber im Brustton der Überzeugung behauptet, dass er erleichtert sei, weil er mit Minister Raffaele Fitto eine gute Kompromisslösung gefunden hätte und weil nun der Streit mit Rom zur Frage der alpinen Beschilderung beigelegt sei. Die paar Zweifelsfälle, die bei der konkreten Umsetzung noch auftreten könnten, würde eine kleine Expertenkommission lösen.  

 

Da muss ich mich zu Wort melden. Durnwalder ist doch schlau und intelligent, ja raffiniert. Wie kann er den Leuten erklären, dass der Streit beigelegt sei? Das ist meines Erachtens naiv und populistisch. Es werden nur falsche Hoffnungen geweckt.

 

In der heutigen Ausgabe der Neuen Südtiroler Tageszeitung sieht L.Abg. Alessandro Urzí die Angelegenheit ganz anders. Und höchstwahrscheinlich wird er Recht behalten. Leider!

 

Erstens geht es darum, dass nun endlich die Ortsnamen auch auf Deutsch und Ladinisch amtlich eingeführt werden sollen, eben laut Autonomiestatut von 1972, auf welches in der Vereinbarung zwischen Durnwalder und Fitto ausdrücklich Bezug genommen wird.  Im Art. 101 des Autonomiestatus steht wörtlich:  „In der Provinz Bozen müssen die öffentlichen Verwaltungen gegenüber den deutschsprachigen Bürgern auch die deutschen Ortsnamen verwenden, wenn ein Landesgesetz ihr Vorhandensein  festgestellt und die Bezeichnung genehmigt hat.“ Um die italienischen Ortsbezeichnungen geht es gar nicht. Diese sind schon amtlich. Es wird daher weiterhin äußerst schwierig sein, italienische Namen abzuschaffen, auch wenn es noch so viele z.T. dumme Übersetzungen sind, die vor knapp hundert Jahren erfunden worden sind.

 

Der zweite äußerst vage Punkt der Vereinbarung vom 22. September ist die fromme Erklärung, dass „historische Namen“ nicht übersetzt werden müssen. Die Tageszeitung „Dolomiten“ folgert gestern: „Jetzt akzeptiert Rom die Einnamigkeit historischer deutscher und ladinischer Namen, anstatt der Fantasienamen von Tolomei.“ Alessandro Urzí weist heute darauf hin, dass auch alle italienischen Namen, die sich eingebürgert haben, historische Namen seien und dass es nicht nur um die zweisprachen Namen von „Ortschaften“ gehe, wie es im deutschen Text heißt, sondern dass unter „località“ alle „Orte“ zu verstehen seien.

 

Leider sind wir nach dieser „Streitbeilegungserklärung“ von einer friedlichen Lösung noch gleich weit entfernt wie vorher.