Hinweis: Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert. Für Anliegen und Informationen können Sie micht gerne Kontaktieren:



Info: Questo sito non viene più attualizzato. Nel caso di richieste o domande potete contattarmi:

Gemeinwohl

Okt 9th, 2010 | By Sepp | Category: Demokratie, Economia / Wirtschaft, Leitartikel/ in primo piano

Auf einer achttägigen Kulturreise durch den Iran las ich das neu erschienene Büchlein von Christian Felber „Gemeinwohl-Ökonomie. Das Wirtschaftsmodell der Zukunft.“

 

Die Streitschrift dieses österreichischen Politikwissenschaftlers, Soziologen und Mitbegründers von Attac-Österreich bringt meines Erachtens wirklich das, was auf dem Cover steht: „Es gibt eine Alternative zu den realsozialistischen Irrwegen und zum Kapitalismus, der uns in die Krise geführt hat.“ Felber schreibt schlüssig und einfach, dass eine Fortschreibung der Vergangenheit uns aus den derzeitigen Krisen (Finanzwirtschaft, Armut, Klimawandel, Migration, Arbeitslosigkeit, Demokratieabbau, Werteverlust…) sicher nicht herausführen wird. Wohin der Kommunismus geführt hat, ist bekannt. Doch auch der neoliberale Kapitalismus mit freien Märkten und immer wilderen Wettbewerben wird die derzeitigen Krisen nicht lösen, sondern noch verstärken. Die Behauptung, dass der Wettbewerb die effizienteste Methode sei, ist ein Mythos.  

 

Konkurrenz ist das Gegenteil vom ursprünglichen Wortsinn, denn concurrere (lat.) heißt gemeinsam laufen. Was wir unter Konkurrenz verstehen, müsste Kontrakurrenz heißen. Der Wettbewerb bzw. die Kontrakurrenz und das Gewinnstreben motivieren negativ über Angst. Und Angst ist eine schlechte Beraterin. Sie bremst oder blockiert, sie macht dumm und asozial. Zur Überwindung von Krisen braucht es Kooperation und Solidarität. Kooperation motiviert über Wertschätzung, Anerkennung, gelingende Beziehungen, gemeinsame Zielsetzung und Zielerreichung. Und wenn ein Ziel einmal nicht erreicht wird, dann stehen Kooperierende einander helfend und tröstend bei.

 

Gewinn, Geld und immer mehr Reichtum (einiger weniger!), das kann doch nicht das Ziel des Arbeitens und Wirtschaftens sein. Ein hoher Finanzgewinn eines Unternehmens sagt nichts darüber aus, ob er auch einen Vorteil für das Gemeinwesen bringt, ob die Lebensqualität der Führungskräfte und der Mitarbeitenden erhöht wird, ob damit der allgemeine Wohlstand vermehrt wird und ob Bedürfnisse befriedigt werden. Im Gegenteil, Lebensqualität kann verloren gehen, Wohlstand kann gemindert, Arbeit reduziert, Menschenwürde verletzt und Umwelt zerstört werden. Nicht der Finanzgewinn einzelner kann das Maß sein, sondern die Verbesserung des Gemeinwohls.

 

Christian Felber befasst sich sehr ausführlich damit, was er unter Gemeinwohl versteht. Er meint: Respekt vor der Würde des Menschen! Alle Menschen sind im Prinzip gleich! Die Freiheit des einzelnen ist zwar wichtig, hat aber dort ihre Grenzen, wo die Freiheit eines anderen beeinträchtigt wird. Die Gleichheit ist wichtiger als die Freiheit. Das Vertrauen der Menschen zueinander erhöht die Lebensqualität, ist aber nur möglich, wenn die Entscheidungen auf allen Ebenen transparent und demokratisch getroffen werden. Soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit sind Voraussetzungen für Frieden und Zukunftsfähigkeit. Das sind Mittel und Maßnahmen zur Verbesserung des Gemeinwohls.

 

Die Lektüre dieser praktischen Anleitung für anderes Wirtschaften und für eine andere Politik empfehle ich jeder und jedem, nicht nur den Führungskräften. Wir brauchen dringend eine fundamentale Erneuerung und ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft.