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Gegen die Armut!

Okt 17th, 2010 | By Sepp | Category: SEPP BLOG, Soziales / politiche sociali, Umwelt/Ambiente

(17.10.2010) Vor 18 Jahren hat die Uno den heutigen Tag zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut erklärt. Dabei geht es offiziell um drei Anliegen: 1. Den Widerstand der von Armut betroffenen Menschen gegen Elend und Ausgrenzung würdigen. 2. Den Not leidenden und ausgegrenzten Menschen Gehör verschaffen und mit ihnen ins Gespräch kommen. 3. Sich mit den Allerärmsten dafür einsetzen, dass die Rechte aller wirklich für alle gelten.

Am 8. September 2000 verabschiedeten 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen mit der Millenniumserklärung einen Katalog grundsätzlicher und verpflichtender Zielsetzungen für alle UN-Mitgliedstaaten. Armutsbekämpfung, Friedenserhaltung und Umweltschutz wurden als die wichtigsten Ziele der internationalen Gemeinschaft bekräftigt. Das Hauptaugenmerk lag hierbei auf dem Kampf gegen die extreme Armut. Armut wurde dabei nicht nur allein als Einkommensarmut verstanden, sondern umfassender als Mangel an Chancen und Möglichkeiten.

Diese Millennium-Entwicklungsziele wurden von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der UNO, der Weltbank, der OECD und mehreren Nichtregierungsorganisationen vorbereitet und formuliert. Es wäre nun schwarz auf weiß festgelegt und hochoffiziell beschlossen, dass bis 2015 die Zahl der Menschen in Armut halbiert werden soll. Im ersten Ziel ist sogar die „Vollbeschäftigung in ehrbarer Arbeit für alle, auch für Frauen und Jugendliche“ genannt. Bis 2015 soll „sichergestellt“ werden, „dass Kinder in der ganzen Welt, Mädchen wie Jungen, eine Primarschulbildung vollständig abschließen können.“ (Punkt 2) Ein weiteres sehr wichtiges Ziel steht in in Punkt 4: „die Senkung der Kindersterblichkeit von Unter-Fünf-Jährigen um zwei Drittel“ (von 10,6 Prozent auf 3,5 Prozent). Täglich sterben weltweit immer noch rund 30.000 Kinder an Hunger bzw. aus Armutsgründen. Das sind sechs Mal so viele Kinder, wie in einem Jahr in Südtirol geboren werden.

Bemerkenswert ist auch die Erwähnung, dass Sozialpolitik und Umweltpolitik untrennbar zusammengehören. So wird in Punkt 7 gefordert, dass die Grundsätze einer nachhaltigen Entwicklung in der Politik und den Programmen der einzelnen Staaten verankert und die Vernichtung von Umweltressourcen eingedämmt werden muss, ebenso, dass der Verlust der Biodiversität bis 2010 verringert werden muss.  

Gestern feierte das Ökoinstitut Südtirol das 20-jährige Bestehen. Dabei wurde nicht nur auf das Geleistete zurückgeblickt. Mit dem Tagungstitel „Eine Welt mit Zukunft“ wollten die Verantwortlichen im Ökoinstitut klar machen, dass es ihnen um mehr geht.  Neben dem Festredner Frank-Walter Steinmair referierte Franz Josef Radermacher vom Club of Rome und Autor des Buches „Eine Welt mit Zukunft“. Radermacher zeigte eindringlich und überzeugend auf, dass nur eine ökosoziale Marktwirtschaft mit einem „Global Marshall Plan“ den Kollaps des Planeten Erde verhindern kann.

Leider gibt es eine gewaltige Kluft zwischen den hehren Zielen und der alltäglichen Realität, zwischen dem, was in der UNO erklärt wird, und dem, was WTO, Weltbank und die Lobbyisten der Konzerne tagtäglich politisch durchdrücken.  Die Italiener haben ein passendes Sprichwort: „Tra il dire e il fare c’è in mezzo il mare.“ (Zwischen Sagen und Tun liegt das Meer.) Ja, erst vor zwei Wochen haben uns in Bozen Christian Felber, Jean Ziegler und Vandana Shiva auf die Gefahren des Raubtierkapitalismus hingewiesen.

Heute am Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut frage ich mich: Darf ich es wagen, optimistisch zu sein?