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depressiv und aggressiv

Feb 9th, 2011 | By Sepp | Category: Demokratie, Grüne Verdi Vërc, SEPP BLOG

 

Schon länger habe ich keinen Blog mehr geschrieben. Heute bin ich aber emotional so betroffen, dass ich das Ventil des Niederschreibens brauche.

 

Immer mehr Leute, auch enge Freunde, die ich politisch als ökosozial und ethnopolitisch moderat einstufe, lassen sich mittreiben von Themen, die rechte Parteien bzw. ethnopolitische Scharfmacher immer wieder neu vorgeben. Es scheint, als ob es bei uns in Südtirol nur mehr folgende Probleme gäbe: Toponomastik (möglichst viele einsprachige Ortsnamen in einem mehrsprachgien Land, trotz eines anderslautenden Autonomiestatuts!), radikale Beseitigung aller Denkmäler, die an den Faschismus erinnern, Selbstbestimmung für einen Freistaat Südtirol, 150-Jahr-Feier anlässlich der Gründung des Staates Italien bzw. Feier der nationalen „Einheit“ Italiens…

 

Diese Themen werden als einfach lösbar hingestellt und eignen sich, auf beiden Seiten Keile zu treiben und alte Fronten wieder neu zu formieren. Die differenzierten Lösungsvorschläge, die wir Südtiroler Grüne diskutierend suchen, werden von den Medien als zu komplex und zu kompliziert gesehen. So widmen sich die allermeisten JournalistInnen lieber dem Schlagabtausch der rechtspopulistischen Szene. Das belebt die Gespräche am Gasthaustisch.

 

Ich werde immer aggressiver gegen Intolerante und Rassisten, die alles nur aus der Sicht der eigenen Sprach- bzw. Volksgruppe sehen wollen, und ich werde gleichzeitig depressiv, weil ich feststellen muss, dass das friedliche Miteinander in einem mehrsprachigen Land sowie die Vorteile einer europäisch ausgerichteten Region an der Schnittstelle zweier großer Kulturen gänzlich hintangestellt werden und dass die großen ökosozialen Probleme, die vom Turbokapitalismus ausgehen, in der öffentlichen Diskussion weitgehend ausgeblendet werden.

 

Uns ökosozial und interkulturell ausgerichtete Grüne Südtirols drängt man immer mehr in einen Winkel, aus dem heraus es sehr schwer ist, sich zu verteidigen. Die übelsten Stimmungsmacher sind jene, die selbst rassistisch argumentieren  und uns an die Seite jener Nationalisten stellen, die Mussolini und Tolomei verteidigen. Es ist ein alter Trick: jemandem ein diffamierendes Etikett umhängen, damit man nicht mehr differenziert argumentieren muss.