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BBT und Ethik

Mrz 30th, 2011 | By Sepp | Category: BBT, SEPP BLOG


Die Öffentlichkeitsarbeit der Brenner-Basistunnel-Gesellschaft klappt wirklich. Nach schweren Zweifeln über die Finanzierbarkeit, die in den Medien immer wieder aufgeworfen wurden und werden, liefert in letzter Zeit die BBT-SE laufend Jubelmeldungen, z.B., dass Italien, Österreich und die EU locker in der Lage und auch bereit seien, den Megatunnel unter dem Brenner zu finanzieren.

Eine etwas tiefer gehende Frage nach der Sinnhaftigkeit und Verantwortung wird allerdings nie gestellt und somit auch nicht beantwortet.

 

Heute habe ich mir die Zeit genommen und auf der Homepage der BBT-SE das ausführliche Kapitel über den „Ethik-Kodex“ dieser Gesellschaft gelesen. Dieser Kodex ist am 1. Oktober 2008 in Kraft getreten. Diese „Ethik“ ist ein Feigenblatt, das allerdings nicht imstande ist, die Schamlosigkeit des Großkapitals zuzudecken.

 

Zuerst muss ich ein paar Passagen daraus zitieren, um hinzuweisen, wie heuchlerisch man sich vor der Öffentlichkeit darzustellen versucht:

 

„Ehrlichkeit ist der ethische Grundsatz bei allen von der Gesellschaft zur Erfüllung des Geschäftszwecks gesetzten Tätigkeiten.“

„Die Verschwiegenheit zählt zu den grundlegenden Werten bei der Ausübung der konkreten Geschäftstätigkeiten.“
“Die BBT SE verpflichtet sich dazu, im Rahmen ihrer Tätigkeiten konstruktiv zum Umweltschutz beizutragen. Im Rahmen der Umsetzung des Vorhabens werden die jüngsten Forschungsentwicklungen und die Erfahrungen im Bereich Umwelt berücksichtigt, um die Natur und die sozialen Bedürfnisse der betroffenen Gebiete zu schützen.“
„Die BBT SE übt keinerlei direkten oder indirekten Druck auf politische Exponenten aus, finanziert keine Parteien, deren Vertreter oder Kandidaten, weder in Italien und Österreich, noch im Ausland. Zudem tritt die BBT SE nicht als Sponsor von Kongressen oder Festen auf, deren vorrangiges Ziel politische Propaganda ist.“ (Frage: Welche Organisation gibt zu, dass ihr „vorrangiges Ziel politische Propaganda ist?“)

 

Ich bin schockiert, dass diese Macher und Geldverschwender das Wort Ethik überhaupt in den Mund nehmen. Sich bloß auf gesetzliche Aufträge und auf die Entscheidungen von neokapitalistisch orientierten Politikern zu  berufen, das ist im Prinzip ähnlich abwegig und unethisch, wie wenn viele Verbrecher des Dritten Reiches nach 1945 sich darauf berufen haben, dass sie ja nur Befehle ausgeführt hätten.

 

In einer Publikation des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Arbeitskreises Osnabrück[1] schreibt Adolf Kruppa: „Wir geraten an die Grenze ökonomischer Rationalität, wo die Fachkompetenz der Ökonomie endet und wo die Bewertungskompetenz eintritt, die ihre Kriterien aus anderen Bereichen der Kultur bezieht und die ethische Frage der Verantwortbarkeit aufwirft.“

Adolf Kruppa verweist schon 1994 unter anderem darauf, dass angesichts der Knappheit des Kapitals und der Ressourcen sowie aufgrund der ungerechten Verteilung der Güter auf dieser Welt es unverantwortlich sei, Großprojekte wie den BBT zu realisieren. Das Prinzip der Sparsamkeit, auch als kulturelles und philosophisches Anliegen des Maßhaltens, würde bei dieser „Gigantomanie der Mammutprojekte“ gänzlich ignoriert.

In der Kürze eines Blog-Kommentars muss ich nur noch eine Frage stellen:

Wenn der BBT wirklich gebaut werden soll und somit zwischen Innsbruck und Franzensfeste es vier Schienenstränge für die Eisenbahn geben sollte, und wenn dann diese Kapazität auch halbwegs genutzt würde, wo sollen dann die Waren und Personen südlich von Franzensfeste transportiert werden, beispielsweise zwischen Waidbruck und Bozen, wo derzeit der eigentliche Eisenbahn-Flaschenhals zwischen Verona und München besteht?      


[1] Adolf Kruppa (Hrsg.): Integration der europäischen Verkehrsmärkte (3); Infrastrukturplanung auf dem Prüfstand der Ökonomie und der Ethik, Fachhochschule Osnabrück, 1994