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Vorurteile viel stärker als jedes Argument

Apr 16th, 2011 | By Sepp | Category: Economia / Wirtschaft, SEPP BLOG, Soziales / politiche sociali

 

Heute war ich gemeinsam mit einer Lega-Politikerin bei einer Radio-Live-Diskussion über die derzeitige Migrationswelle aus Nordafrika. Zehn Flüchtlinge aus Tunesien und Libyen sind letzte Nacht in Südtirol angekommen und wurden in einer alten Militärkaserne in Bozen einquartiert worden. Laut staatlicher Zuteilung sollen noch einmal elf dazukommen. Insgesamt 21 Flüchtlinge, genau der für unser Land proportionale Anteil jener 2000 Menschen aus Nordafrika, denen der Aufenthalt in Italien gewährt wird. 90 % der in Lampedusa gelandeten Afrikaner wurden bzw. werden ja in ihr Herkunftsland wieder zurückgeschickt.

Laut der Lega-Landtagsabgeordneten sind bereits diese 21 Menschen, die in Südtirol aufgenommen werden müssen, zu viel. Wir hätten Arme und Arbeitslose genug im eigenen Lande und könnten uns nicht auch noch um die Afrikaner kümmern.

Ich versuchte mit Zahlen und Argumenten, z.T. entliehen aus den Büchern von Jean Ziegler und Corinna Milborn, hinzuweisen, dass humanitäre Hilfe und Solidarität notwendig seien und dass diese kleine Zahl in unserem reichen Land nicht einmal erwähnenswert sei. Man bedenke, dass beispielsweise im kleinen und armen Tunesien bisher bereits 228.000 Flüchtlinge aus Libyen aufgenommen worden sind.

Mir war schon vor der Sendung klar, dass ich die Lega-Politikerin weder überreden noch überzeugen, geschweige denn bekehren könnte. Was mich aber schockiert hat und was mich bewogen hat, einen Blog zu schreiben, ist die Tatsache, dass alle Radio-HörerInnen, die angerufen haben, sich voll auf die Seite der Lega-Politikerin gestellt und mich scharf angegriffen haben.

Ein Mensch, der nicht nachweisen kann, dass er politisch verfolgt wurde und somit Asylrecht hat, hat keine Rechte. Wer nur vor Armut und Hunger aus Afrika flüchtet und dem es mit letzter Anstrengung gelingt, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen, dieser kriegt keine Papiere, gilt somit als „illegal“ und wird von immer mehr Leuten als kriminell hingestellt.

Ich bin entsetzt. Wir gehen in der Entsolidarisierung und Schuldzuweisung gegenüber den Ausländern als Sündenböcke für alles in die gleiche Richtung wie die Nazis vor 80 Jahren gegenüber den Juden.  Ich befürchte Schlimmstes.

Auch der „Hass auf den Westen“ (Worte von Jean Ziegler) nimmt zu. Ich befürchte einen wirtschaftlichen Weltkrieg zwischen den armen Völkern und dem satten, überheblichen und arroganten Europa.  Die Versklavung, Kolonialisierung und die immer noch anhaltende Ausbeutung der Menschen in der so genannten Dritten Welt könnten sich schneller rächen, als wir glauben.