Strenggläubige und Häretiker

Überlegungen zu Covid-19

Als Theologe, mit besonderem Interesse an der Kirchengeschichte, sehe ich derzeit bei den Diskussionen rund um Covid-19 Ähnlichkeiten mit jenen dunklen Zeiten in der Kirche, als die Strenggläubigen die Übermacht hatten und Andersgläubige, Zweifler und Ungläubige pauschal als Häretiker verurteilt wurden. Jene, die mutig auftraten und andere Meinungen äußerten, wurden exkommuniziert und landeten z.T. sogar auf dem Scheiterhaufen.

Ich gestehe, ich bin ungläubig, d.h. ich tu mich sehr schwer, an das Dogma einiger Virologen und Statistiker zu glauben, dass das Corona-Virus ein so gefährliches Killervirus sei, welches das Ausrufen einer Pandemie mit all den getroffenen harten und einschneidenden Maßnahmen wie den Lockdown erforderlich gemacht hat. Ich habe den Eindruck, dass krampfhaft, ja krankhaft alles getan wird, um ja nicht krank zu werden. All die Nebenwirkungen und Kollateralschäden werden weitgehend ignoriert.  

Als Nicht-Naturwissenschaftler „glaube“ ich jedoch durchaus jenen unter den Fachleuten, die sagen, dass dieses Corona-Virus ein hartnäckiges und sehr ernst zu nehmendes Virus ist und dass allgemeine, auch strenge Vorsichtsmaßnahmen der Hygiene sowie des Abstandhaltens sehr sinnvoll sind, vor allem aber, dass eine gesunde Lebensführung wichtig ist, um das Immunsystem zu stärken.

Aber die durch die Leitmedien ununterbrochen verbreitete Angst und Panikmache waren bzw. sind m.E. sicher nicht nützlich, geschweige denn notwendig. Vorsicht ist immer gut, aber Angst ist meist eine schlechte Ratgeberin. Angst engt den Verstand ein und entsolidarisiert, so lehrt uns die Psychologie. Angst hemmt die seelisch-geistige Entwicklung und die vitale Lebenskraft des Menschen… Pessimistische, ängstliche und verängstigte Leute sind viel leichter manipulierbar als Optimisten, als mutige, fröhliche und gelassene Menschen. Ganz im Sinne eines Zitates von Papst Franziskus: „Habe Mut, glücklich zu sein!“

Angst wird vor allem dadurch verbreitet, dass mit nackten Zahlen der Anschein erweckt wird, dass unheimlich viele an diesem schrecklichen Virus erkrankt und sogar gestorben sind. Ich kann nicht beurteilen, ob diese Nachrichten vor allem deshalb verbreitet und immer wieder wiederholt werden, um möglichst vielen Menschen Angst einzujagen. Es gilt wohl auch die allgemeine Praxis in der Medienwelt: Only bad news are god news! Schlechte Nachrichten sind besser verkäuflich.

Ein Grund, warum so viele Menschen eine panische Angst vor Covid-19 haben, ist wohl auch, weil sehr viele sich sehr ungern mit dem Thema Tod auseinandersetzen, obwohl er das Sicherste und das Natürlichste am Ende eines jeden Lebens ist.  

Mehr Versachlichung der Nachrichten!

Warum werden die Zahlen der Infizierten und Verstorbenen so selten relativiert und z.B. auf 100.000 oder 1.000.000 Einwohnern bezogen? Absolute Zahlen sagen sehr wenig aus, beeindrucken aber mehr als relative. Warum werden fast immer jene gleich bewertet und gezählt, die wegen des Corona-Virus gestorben sind, genau so wie jene, die z.T. schwere Vorerkrankungen hatten und mit dem Virus gestorben sind? Warum werden Pathologen nicht stärker beigezogen? Warum wird statistisch nicht differenziert zwischen jenen Menschen, die nur leicht infiziert und ohne Symptome sind, sowie jenen mit leichten und jenen mit schweren Symptomen und jenen Infizierten, die in einer Intensivstation behandelt werden müssen. Mich würde auch stark interessieren, wie alt im Durchschnitt die Getesteten im März und im April waren und wie alt die Getesteten der letzten Wochen sind. Die Behauptung, dass immer mehr auch junge Menschen infiziert würden, hängt sicher auch damit zusammen, dass in den letzten Wochen insgesamt viel mehr Menschen untersucht worden sind, vor allem auch jüngere.

Mit solchen Statistiken wird manipuliert. Manipulieren vielleicht die „Strenggläubigen“, damit möglichst viele Zweifler und Andersdenkende zum wahren „Glauben“ übertreten?

Eine Versachlichung der Nachrichten z.B. durch Vergleiche mit normalen Grippewellen und durch die Relativierung der Zahlen, würde sehr viel Angst nehmen, was für die Gesundheit von Einzelpersonen und für die ganze Gesellschaft äußerst wichtig wäre.

Die Rolle der Medien

Für mich ist es unverständlich, dass die Leitmedien ständig und so massiv und einseitig über das Coronavirus berichten und die Maßnahmen der Regierenden vielfach unreflektiert übernehmen, vielfach sogar verteidigen. Es kommen fast nur die „orthodox Glaubenden“ zu Wort, während Zweifelnde und Andersgläubige wie Häretiker behandelt und oft pauschal als Verschwörungstheoretiker hingestellt werden.

Ich möchte hier die erfahrene Journalistin Gabriele Knabbe erwähnen, die den Mut hatte, am 10. August zum Thema „Corona & die Krise der Medien“ Klartext zu reden, und die auf sehr viele Mängel und Einseitigkeiten in der Covid-19-Berichterstattung hingewiesen hat.


Es braucht dringend einen ergebnisoffenen und redlichen Diskurs über das Corona-Virus unter verschiedensten Fachleuten mit unterschiedlichen Bewertungen.

Wenn kritische Stellungnahmen zu Covid-19 im Internet gelöscht werden, z.B. mit der Begründung, „weil es gegen die Community der Richtlinien von Youtube verstößt“, dann müssten seriöse Medienleute hellhörig werden und auf die Barrikaden gehen.

Sehr gespannt kann man sein, wie Shutdown und Lockdown und all die restriktiven Maßnahmen in einem oder in zwei Jahren gesehen und beurteilt werden. Ich bin der Überzeugung, dass gar manches über Covid-19, was heute im Brustton der Überzeugung verkündet wird, sich als unwissenschaftlich herausstellen wird, als Manipulation mit konstruierten Dogmen. Wer hinter den Dogmen steht, weiß ich nicht.

Werden im Nachhinein die Strenggläubigen oder die Kritiker und Zweifler die „Covidioten“ sein?

 Wo ein Wille, da ein Weg

Der Kampf gegen dieses Virus hat eines sehr deutlich gezeigt:

Die Regierenden können, wenn sie wollen.

Noch nie in der Geschichte haben die Regierungen weltweit so schnell und so einschneidend harte Maßnahmen ergriffen wie jetzt bei Covid-19.

Warum reagieren die politisch Verantwortlichen nicht ebenso konsequent, wenn Wissenschaftler*innen aus anderen Bereichen auf noch größere Probleme unserer Welt mit ebenso tödlichen Folgen aufmerksam machen?


Nur drei Beispiele:

Bekämpfung der Armut

Sehr viele Fachleute aus den Wirtschafts-, Finanz-, Sozial- und Politikwissenschaften zeigen klar und wiederholt auf, dass die Güter dieser Welt sehr ungerecht verteilt sind. 1 % der Menschen auf dieser Welt besitzt ungefähr die Hälfte des Weltvermögens, also gleich viel wie 99 % der Weltbevölkerung. Der immense Reichtum in den Händen einiger weniger nimmt immer noch zu, während weltweit knapp eine Milliarde Menschen extrem an Hunger leidet. Täglich sterben laut FAO (Welternährungsorganisation) rund 24.000 Menschen an Hunger; drei Viertel davon sind Kinder unter fünf Jahren.

Frieden

Warum hören die Regierenden nicht auf die Friedensforschung? Wie viel Tod, Not und Elend werden durch Kriege verursacht!!! John F. Kennedy (1917 – 1963) sagte einmal: „Zu viele von uns halten Frieden für unmöglich… Aber das ist ein gefährlicher defätistischer Glaube. Er führt zur Schlussfolgerung, dass der Krieg unvermeidlich ist, dass die Menschheit zum Untergang verurteilt ist… Doch unsere Probleme sind von Menschen geschaffen, deshalb können sie auch von Menschen gelöst werden.“ Warum verbieten die Regierenden nicht die Produktion und den Handel von Waffen, wenn das menschliche Leben so wie jetzt bei Covid-19 um jeden Preis geschützt werden soll? Oder: warum wird das Kriegsverbot des Weltsicherheitsrates so oft missachtet?

Gesunde Umwelt

Warum hören die Regierenden nicht auf so viele Naturwissenschaftler*innen? Es bräuchte dringend umfassende Maßnahmen für Natur und Umwelt, d.h. gegen die Vergiftung und Verseuchung von Böden, Gewässern und Luft sowie gegen Monokulturen.  Technischer Umwelt- und Naturschutz ist oft nur eine lächerliche Reparatur von Schäden, die der Mensch selbst verursacht hat. Es braucht eine neue Politik zur Vorbeugung gegen die fortschreitende Zerstörung unserer Mutter Erde und gegen den Klimawandel.

Was ist machbar?

Sehr vieles ist machbar, wenn man wirklich will. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass die Regierenden weltweit so schnell und so radikal entscheidungsfähig sind wie bei Covid-19. Die Ausreden der Regierenden, man könne Hungertote nicht vermeiden, man könne die Waffenindustrien nicht schließen und die Soldaten entlassen, man könne in einer Welt der freien Märkte der Chemieindustrie und der Landwirtschaft doch nichts verbieten usw., diese Ausreden greifen jetzt nicht mehr. Die Regierenden haben bewiesen, dass sie können, wenn sie wollen.

Die politisch Verantwortlichen müssen mit Steuern eingreifen und endlich gegensteuern. Es wäre genug für alle da. Reichtümer, Spekulationsgeschäfte, Geldtransaktionen, Gewinne durch Umweltzerstörung, Ressourcenverschleuderung, Profite durch Maschinen und Automatisierung usw. generieren unheimliche Gewinne, die viel, viel stärker besteuert werden müssten. Viel progressiver! So wären die wichtigsten Maßnahmen für die Gesundheit der Menschen und aller Lebewesen auf dieser Welt leicht finanzierbar. – Die Arbeit und das Einkommen des kleinen Mannes könnten von Steuern ganz befreit werden.   

Durch Covid-19 sind wir draufgekommen: Wo ein Wille, da ein Weg!

Villanders, 1. September 2020